14
Mai
2009

Nichts

Mitten im Tun wurde einem schlagartig klar, dass es zu Ende geht, dass in wenigen Stunden alles Leben vergehen würde. Unentrinnbar kam man dem zeitlosen Nichts immer näher. Man war nicht allein in der Erkenntnis, auch andere wurden ungefragt von dem Wissen um das nahende Ende überfallen, aber man war allein darin, mit dem Wissen fertig zu werden. Einige reagierten kopflos und verzweifelten, andere versuchten trotzig so zu tun, als sei es nicht wahr. Wieder andere fieberten danach, die vermeintlich wichtigen Dinge nachzuholen oder das bisher aufgeschobene in einer letzten Welle der Lebendigkeit zu erleben.

Man selbst resignierte einfach nur. Es war nun alles unwichtig geworden und völlig belanglos, was man noch tat oder nicht. Man sah dem hektischen Treiben zu, blieb ungerührt. Versuchte zu begreifen, was geschah. Nach der Resignation kam die Angst. Doch auf dem Boden der Resignation hielt sie sich nicht sehr lange, auch sie war im Grunde nicht mehr wichtig. Es folgte das Bedauern, ein brennender Schmerz. Man hätte doch noch gerne und überhaupt, aber eigentlich war das ja nun auch egal. Aller Resignation zum Trotz erledigte man noch einiges, was zwar genauso sinnlos wie alles andere war, aber falls der eine oder andere dem Nichts doch noch entkäme, konnte man ja vielleicht wenigstens für die Überlebenden noch etwas tun.

Es ging schneller als erwartet. Man wurde als eine der ersten abgeholt. Ein schlittenähnliches Gefährt fuhr vor und bevor man sich versah, lag man darauf und glitt in berauschender Geschwindigkeit in die Dunkelheit. Erst spürte man nur den Luftstrom, dann verdichtete sich die Luft. Das Gefährt drang in dichten Nebel vor, der den Körper zu zerdrücken drohte. Dumpfer Druck, dann ein scharfer Schmerz.
Vorbei.

Im Nichts angekommen.

11
Mai
2009

Spiegelstaub

Man stolperte durch den erstickenddüstren Gang, folgte mühsam den blutigen Spuren im dichten Staubteppich, aus vielen kleinen Schnitten rann leise Blut und der von den Füßen aufgewirbelte Staub brannte in den Wunden.

Die Tränen waren längst erstickt, fielen erst in dicken Tropfen in den Staub des Grauens, der sich vollsog und einem Pilz gleich auf jede Träne mit einer kleinen Explosion antwortete. Jeder Träne folgte eine Staubwolkenexplosion. Die Luft war staubgesättigt und bald hatte sich eine dicke, beissende Straubtränenkruste um die Augen gebildet. Fraß sich unerbittlich ins Gesicht, einem Geschwür gleich, dass sich von außen nach innen verbreiten will.

Fremde Füße gingen im falschen Takt, ein schmerzhaft verzögerter Takt. Man hätte sie sich von den Beinen reißen mögen, hätte man nicht so verzweifelt darum gekämpft, wenigstens noch auf diesen Stümpfen laufen zu können.

Im Spiegelsaal wartete die Folter, die unendliche Qual. Man wusste es nicht, humpelte ihr entgegen, glaubte noch, ein wichtiges Ziel zu erreichen, als sich die Falle schon schloss. Das Antlitz wurde von tausenden von Spiegeln – Zerrspiegeln zumeist - nicht nur reflektiert, sondern mit voller Wucht und von stromschlagenden Blitzen begleitet ins Zentrum geschleudert, in dem man zur Karikatur erstarrt wehrlos dem Bilderhagel ausgesetzt war.

Nach den Tränen erstickte der Schrei, der sich eben noch hallend und ätzend durch den Thorax geboxt hatte. Im tiefsten Innern hatte er Anlauf genommen, sich mit voller Wucht gegen die zarten Rippen geworfen, hatte zwar ein großen Loch in den Körper gerissen, fiel aber im letzten Moment in sich zusammen, verendete kläglich als schleimige Masse im zerfetzten Lungenflügel.

Die Bilder wurden spitzer. Morgensternen gleich zertrümmerten sie das zarte Denken. Andere verwandelten sich in Shuriken, hinterhältig und mit Effet geworfen, rissen sie tiefe Wunden ins Gemüt. Es folgte ein Hagel giftgetränkter Pfeile.

Die Füße waren schwarz geworden. Abgestorben. Totes Gewebe, unbrauchbar.

Das Denken lag in 1000 Splittern im Staub als traulichfreundlich blinkende Funkelwesen. Dekorativ, aber nutzlos. Das Gemüt verquallte sich zur amorphen Eitermasse, die bald vom Tränenstaub mumifiziert wurde.

Die Augen mussten alles mit ansehen, konnten sich den Bildern und ihren Folgen nicht entziehen. Kein Detail blieb ihnen erspart. Man wünschte sich nur noch, die Augen schließen zu dürfen, doch die Lider hatten sie längst entfernt.

Man wartete auf das blicklose Nichts, noch donnerten die Bilder aus den Spiegeln. Erst wenn das gespiegelte Wesen verging, würden die Spiegel blind. Es aber war zur Existenz verurteilt.

9
Mai
2009

Sonntagfrüh

(Fortsetzung des sinnfreien Samstagabends:) Im dunklen Schein des blauen Mondes lassen sich vereinzelte waidwunde Brötchen, die sich leichtsinnigerweise in ihrer grenzenlosen Abenteuerlust zu weit von der gröhlenden Bäckerhorde entfernt haben, mit purpurzarten Keschern von ringelstrumpftragenden Schlamperpuppen, die ihr spröd verzagtes Herz an ein mäßig musikalisches Skelett mit Hang zu gutmütiger Gefangennahme verloren haben, immer wieder einfangen, von deren hastigem Genuß aber nur abgeraten werden kann, denn die verstörten kleinen Brötchenlaiber gehören unbedingt in die gloriose Parade der unverdrossen hüpfenden Frühstückseier, die in bebender Erwartung der rohen Enthauptung mit einigen gequälten Arien nicht nur ihr, sondern auch das sehnlich befürchtete Ende des Wochenendes schauerlich falsch singend und dabei doch so anrührend beklagen, dass die staubig-kalten Klagelieder wie immer den graublütigen Polizisten auf dem zögernden Weg in das fensterlose Haus begleiten, wo er von der freudestrahlenden achtarmigen Brut der mit Froscheiern genährten Pinguine empfangen und umringt wird, damit er das sinnentleerte Spiel des Bambusweitwurfs mit ihnen spielt und damit den überraschenden Auftakt für die ausgelassen feiernden Balken gibt, sich in der grauen Enge der Vorstadt zum besinnlichen Plausch zusammenzufinden, wodurch die springlebendigen, aber auch sehr müden Mücken sanft in einen traumquelligen Schlummer gelockt werden, in dem sie nur gelegentlich mit sonorem Schnarchen zu erkennen geben, dass sie noch leben, während die jodelnden Möwen langsam ihr Ränzlein packen, um sich in den verhassten Trott der zweitägigen Arbeitswoche zu stürzen, die ihnen wieder alle überbordende Fantasie im Finden hinterlistiger Verstecke abverlangen wird, die ihnen aber mit großzügigen Gaben rostiger Hühnerknochen vergolten wird, mit denen sie dann die dreibeinigen Katzen, die keine Mäusemilch mehr fangen konnten, anlocken können, damit sie diesen die bleiernen Ranzen aufbürden können, obwohl sie genau wissen, dass die ungelenken Viecher ihre Last verlieren werden und dann laut klagend zu den Schlamperpuppen laufen werden, um denen beim Brötchenbacken um die Beine zu streichen, bis sich die viel zu dünnlichen Beinchen ineinander verwickeln und so den röschen Brötchen die Chance zur voreiligen Flucht geben, so fügt sich wieder eins ins andere und alle ergeben sich der zwingenden Determiniertheit ihres kleinen Seins und folgen dem verborgen-verwirrten Rhythmus des merkwüdigen Gebildes, das sie Leben nennen.

13
Apr
2009

Morpheus

Morpheus ist ein recht launischer Geselle, der sich in stetig wandelnder Gestalt zeigt. Mitunter gibt er den charmanten Verführer, zieht einen sanft und doch unerbittlich in seinen Bann und hält den Geist im wagen Ungefähr gefangen. Fast körperlos schwebschwimmt man durch die Welt des Ungefährs, wandelt durch elysische Gedanken, begegnet zarten Bildern, die noch beim Aufwachen ein wenig schmerzen und der Wehmut reichlich Nahrung bringen. Federleicht, von aller Erdenschwere befreit, wandelt man durch hauchdünne Mitternachtsspitzenlandschaften, die von leisen Tönen getragen werden, alle Wohlgerüche der bekannten Welt enthalten und die Haut nie frieren lassen. Ja, gelegentlich webt er Traumteppiche, auf denen man unentwegt fliegen möchte und man nimmt es Hypnos wirklich übel, dass er Morpheus‘ Zeit immer recht knapp bemisst.

Zur Zeit hält Morpheus sich allerdings für einen recht durchgeknallten, sadistischen Horrorfilmregisseur, der - einem Ed Wood-Epigonen gleich - nur unglaubliches Schmierentheater zu inszenieren versteht, aber desto verbissener jede Nacht an einem großen Wurf arbeitet, denn er weiß – aber auch nur er – dass er ein verkanntes Genie ist. Da wird gemordet, seziert, gequält und drangsaliert, dass Hieronymus Boschs Höllenvisionen als Kleinkindlektüre durchgehen. Der Geist wird an einen bleischweren Körper gefesselt, mit Schmerz verwoben, der sich unerbittlich durchs Denken brennt. Mit glühenden Eisen und nachleuchtenden Farben werden die Folterszenen in die Synapsen gebrannt, bohren sich harpunengleich ins Bewusstsein und wollen nicht verblassen. Die Zähren zehren reichlich von diesen Bildern und bereiten dem Morgen einen verquollenen Empfang. Man möchte Morpheus raten, sich eine neue Crew zu suchen, Requisiteure, Drehbuchschreiber und das Kamerateam schleunigst auszutauschen. Müde lächelnd entgegnet er, dass er nun einmal nur mit dem Material arbeiten könne, das er in des Schläfers Hirn finde…

4
Apr
2009

Wortlos

"Das lasse ich nicht zu!" Empörung troff aus seiner Stimme, in dicken Tropfen klatschte sie auf den Boden. Die Tropfen zerstoben zu feinen Säurespritzern, brannten sogar kleine Löcher in den Untergrund. Völlig ungerührt zog sie an ihrer Zigarette. Blickte nur kurz auf, spöttisches Grinsen in den Augen: „Na und, wer fragt Dich?“

„Aber das kannst Du nicht tun. Du darfst mich nicht verlassen, hörst Du!“ Nun mischte sich ein leises Flehen in die Stimme, die Worte knieten sich auf den Boden, hoben die kleinen Stummelärmchen wie zum Gebet. Amüsiert betrachtete sie die Wortclowns, tippte sie leicht mit der Spitze ihres Pumps an und stieß dann zu. Puff, da rollten die Clowns über den Boden und versteckten sich schnell unter dem Sessel, auf dem er saß.

„Aber ich brauche Dich doch.“ Nun also leichte Resignation, die sich wie ein feiner Hauch in der Luft verbreitete, mit einem etwas abgestandenen Aroma, das dezent in der Nase biss. Sie schaute ihn an, er war offensichtlich verzweifelt. Zumindest deutete sie so seine Erscheinung, sie wusste nicht mehr, was Verzweiflung ist. Hatte vor Hundert Jahren das Fühlen verlernt, konnte sich schon an die meisten Gefühle nicht einmal mehr erinnern, aber die großen Gefühle erkannte sie noch, auch wenn sie ihr gleichgültig waren. Mit gelangweilter Stimme entrang sie sich einen Kommentar: „Ach ja? Tatsächlich? Und selbst wenn.“

Er hob den Kopf. Wieder diese leeren Augen. „Warum? “ fragte er müde. „Du hast mir das Sehen genommen. Du hast mir das Lachen genommen, mein Herz habe ich Dir gegeben und nun willst Du einfach gehen? “ Diesmal lag Schmerz in der Stimme. Ein Schmerz, der sich in kleinen Blitzen entlud, einige trafen die Wortclowns, die zuckend auf dem Teppich verendeten. Sie mochte diese kleine Szene. Schmerz drang noch zu ihr durch, der war stark genug, sie musste ihn noch ein wenig provozieren. „Dein Herz, ach ja? Lass den metaphorischen Mist, der blutpumpende Muskel steckt immer noch in Deiner Brust, ich will ihn gar nicht haben!“ Sie glitt vom Barhocker, griff nach den Zigaretten und steckte sich eine an. „Das Lachen hast Du doch gar nicht gebraucht und ohne Augen funktioniert das ohnehin nicht.“

Er zuckte zusammen. „Du bist ja wohl das roheste Geschöpf der Welt.“ Fassungslosigkeit sprang kopflos aus seinen Worten, taumelte durch den Raum, stieß gegen Möbel und brach in sich zusammen. „Warum bist Du so gemein, ich würde Dir mein Leben schenken und Du? Du verhöhnst mich, quälst mich, plünderst mein Leben.“ Sie zuckte interessiert mit den Augenbrauen, das war neu. Da quoll Wut aus den Worten, quallengleich glibberte sie durch den Raum. „Oh jeh, jetzt kommt die große Jammerei? Du hast es selbst gewollt. Du hast bekommen, was Du wolltest. Alles hat seinen Preis.“

Erschüttert legte er seinen Kopf zwischen die Hände, die Arme auf die Knie gestützt. „Du hast mir gegeben, was ich wollte, aber Du nimmst es mir peu á peu wieder weg. Ich spüre es doch. Sie wollen alle zu Dir zurück, sie wollen nicht bei mir bleiben. Du ziehst sie an Dich, fesselst sie und lässt sie mir nicht. Ich trockne aus.“ Seine Stimme wurde immer leiser. Resignation brach sich ihren Weg, schmirgelte die Stimme, zerfetzte die Wortkleider.

„Das ist der Preis. Sie wären bei Dir geblieben, hättest Du es besser verstanden, mit ihnen umzugehen. Du hast sie verwaltet, aber erst jetzt, wo Du Schmerz verspürst, kannst Du sie mit Leben füllen. Nun ist es zu spät.“ Sie seufzte, das schien jetzt angebracht zu sein. „Du hast Deine Chance gehabt, hast sie nicht genutzt. Dir fehlt schlicht das Talent. Ein, zwei Würfe hast Du gelandet, aber das reicht nicht, dafür kann ich nicht bei Dir bleiben.“ Sie erhob sich langsam. Schritt durch den Raum, sammelte die Wortfetzen, Clowns, Quallen und anderen Wortsprengsel sorgfältig ein.

„Das lass ich nich zu!“ lallte er. „Oh doch, das wirst Du“ entgegnete sie kalt. „Dsss lssse nnnnn zzzzz.“ stammelte er. „Zu spät, schon fast passiert“ höhnte sie. „…sss…phhh….“

Sie griff nach einer Zigarette, betrachtete ihn rauchend. Wie ein augenloser Karpfen öffnete er den Mund, grimassierte, stieß kehlige Laute aus, rang mit den Händen. Ein prachtvolles Abbild der Verzweiflung, der Fassungslosigkeit und unglaublicher Dummheit.

Sie drückte die Zigarette im Aschenbecher aus, zuckte mit den Schultern. „Willkommen in der öden Stille Deines Hirns!“, drehte sich um und verließ sein Leben.

3
Apr
2009

Pppmmmmmfmfppmfmppfmmmpp

kenny_kleinPppmmmmmfmfppmfmppfmmmpp: Mpmmffmpp fppmmmmfppffmpp Pmpmppppppppffm fmmfmpmffpffmmpfmp mffppp Mfmmppmpmmmmppppmpmppppp 1000 Fmpppfmpmmpp fmfpppmpm ppmppfmpmmpppfffmp mffppm Pmfmppmmpmppppp fmmppf fpmppfpff fmmmffmmfmfp mfpmffppp. Fmmmffmpp pmfäfmfmpffmp fmfpppmpm pmfäfmfmpffmp fmfpppmpm pmpppfppmppmfmp pppmffmppppmmmmpmffmm mmmppp. Mfffmmfmp fmfpppfpmmpppfffmmfmpäpppmpmpmfmffmmfmfp fmfpppmpm fpmppfppp mmpmppfmmmmfmfppffäppppmpfmpmppppm Fpmmpppfffmmfmpmmmpppmpm, mmmmmfmfp pppmppmpp, pmfmppfmpffpmpppffmppfmm fppmmmpff mppmffppp Mmpäpff, mpmppfmmfmfp mmmfmfmmfmfp mpmmmmfmm fmppffmffmpfmpffmp ffpfmf. Mpmmffmpp fppmmmmfppffmpp Pmpmppppppppffm ppmömmfmfpfmpmpp mppmffppp pppmppfmfmppfmm Mpmpffmppmfpmmpfmfmmfmfp fmmmmfmfppffmppmffmmpmppppp fmfpppmpm mmpmpppmpppfppmppmfmp pmpmppmffpppmpp Ffpmppmffpmfmpp mmmfmfmpf’fmm Pfmmmmpfmmffmpppff. Mppfmm mfmmppmmppffmffmmfmfpfmp mmmppp Ppmfmffmp fmfpppmpm Fpmmfffmmmffppfpppmppppp, mpmmmmfmm Mpmmppppppmpmppppp mfffmmfmp fpmmffmpppmf ffpfmf mpppppmfm fmfpppmpm ffpmpppffpfpfmfmppfmpfmmmmfmfpfmp mpmmffmpp Fmppffäfmfppmmpp, mpmmffmpp mmmpmffmm fmmmmfmfpfppmmmpffffpmpp Mfmmmmpmfpmfmpp mffpppfmm Mmpmppfppfmffmmfmmfmpfmmmppmffppp pfpfmfmpppmfpmfmppppp. Mmppmfmppmffmpppffpppmpp Ffpmppmfffmpmppppp, fppmppmffpmf mpmmpppff Pfmmmmpppffpmpppff fpmmffmpppmf ffpfmf mpppppmfm, mmmmmpmpppff mffppm Mfmpfffmfpppmpmmpp mpmmpppff mppmffpppffpmffmfmmpp Mfpmmmpmffmp mfffmmfmp.
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