Abendessen mit Hindernissen
Samstag abend, kurz nach sieben. Wir hatten Gäste geladen und die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, es sollte ein unvergesslicher Abend werden, denn wir wollten unsere Gäste mit erstaunlichen Kreationen aus unserer Küche überraschen. Das war der Plan und es sollte uns gelingen. Und wie.
Stundenlang hatten wir uns der Zubereitung von kleinen Speisen für das Buffet gewidmet, hatten sogenanntes Finger Food und Amuse Geule bereitet, Feinkostsalate und andere Köstlichkeiten hatten wir gezaubert. Nachmittags hatte ich schon das meiste servierfertig dekoriert und aller Platz in der Küche wurde von Platten und Schüsseln beansprucht, die Anrichte bog sich unter der Last der Köstlichkeiten und ein betörender Duft liess einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Da wir aber für die Zubereitung des Sushis noch reichlich Raum brauchten, suchte ich nach einer Möglichkeit, all die Köstlichkeiten kühl zu lagern. Nach kurzem Überlegen entschied ich, dass der Balkon ein gutes Kühlhaus abgäbe und fluggs wanderte alles dorthin.
Also konnte die Sushi-Produktion starten. Leider hatte ich mich mit dem dafür nötigen Zeitbedarf verkalkuliert, was in direktem Zusammenhang mit der mir fehlenden Meisterschaft in der Zubereitung dieser Speise stand, und leichte Hektik trat auf. Erschwerend kam hinzu, dass mir unsere Katzen nicht mehr von der Seite weichen wollten, da sie den köstlichen Duft rohen Fisches wahrgenommen hatten. Zweimal hatten sie schon versucht, mich durch gezielte Achter um meine Knöchel zu Fall zu bringen und es war wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis ich oder der Fisch zu Boden fallen würden. Ich rief eindringlich um Hilfe und mein Freund nahm sich der Katzen an, lockte sie mit etwas Fisch aus der Küche und ich konnte ungehindert weiterarbeiten.
Er war erstaunlich erfolgreich, denn ich hörte noch nicht einmal Protestmiauen. Das wunderte mich ein wenig, denn so groß ist die Wohnung nicht, aber ich hatte anderes zu tun. Das gänzliche Fehlen von Katzenförmigen Fellwesen und den dazu gehörenden, eindringlichen Stimmen, die in sich höher schraubenden Kadenzen um Futter zu betteln pflegten, weckte leises Unwohlsein in mir. Ich fragte, was er denn mit den kleinen Quälgeistern getan hatte. „Ach,“ meinte er, „das war gar nicht schwer, ich habe sie auf den Balkon gesperrt....“.
Ahnungsvoller Schrecken durchfuhr mich. Von dunklesten Befürchtungen gepeinigt stob ich zum Balkon und tatsächlich. Die Katzen hatten die unfreiwillige Einladung zum fürstlichen Abendessen allzu gerne angenommen und hatten alles probiert.
Ein Schlachtfeld war dagegen ein beruhigender Anblick.
Nun musste ganz schnell eine Lösung gefunden werden. Es war kaum noch eine Stunde bis die Gäste eintrafen und mehr als zwei Drittel des Essens waren nicht mehr servierbar. Eine Katastrophe!!! Da konnte nur noch der Feinkosthändler helfen. Also ins Auto gestürmt und in den nächsten Supermarkt mit Feinkostabteilung gefegt. In rekordverdächtigem Tempo sammelte ich ein Assortiment unterschiedlichster Delikatessen ein und sauste mit meinem Wagen zur Kasse. Als die Kassiererin die Summe nannte, suchten mich leichte Schwindelanfälle heim, aber es half ja nichts. Ich zückte also das Plastikgeld... „Es tut mir leid“ sagte die Kassiererin, „aber die Karte wird nicht akzeptiert. Haben Sie noch eine andere“. Klar, hatte ich. Aber... „Nein, tut mir leid, die kann ich nicht nehmen, haben Sie nicht eine xxxxx-Karte?“. Nein, hatte ich nicht. Meine Barschaft reichte gerade mal für ein paar Kaugummis... was tun? Ich bat darum, dass man meinen Wagen kurz ins Kühlhaus schob, während ich schnell versuchen würde, Bargeld zu besorgen.
Auf zur nächsten Bank, aber auch hier wurde die Karte nicht akzeptiert. Also rief ich meinen Freund an. Der sich auch sofort auf den Weg machte, um mit seiner Karte zu Hilfe zu eilen. Sicherheitshalber zogen wir schnell etwas Bargeld und machten uns auf, die wartenden Lebensmittel auszulösen. Als wir am Supermarkt ankamen, traf mich der Schlag. Zu. Wie die Zeit verfliegt, wenn man Spaß hat... Hektisches Klopfen an der Türe, aber niemand wollte uns hören.
Zu Hause standen wohl schon die Gäste vor der Tür... was tun? Kurz erwog ich die Flucht ins Ausland...
Dann die rettende Idee... Eine viertel Stunde später waren alle Gäste in festlichen Abendroben erschienen und harrten erwartungsvoll der Eröffnung des Büffets. Ein leichtes Unwohlsein machte sich bei mir breit, aber da mussten wir nun durch.
Ich werde den dezent fassunglosen Blick unserer Gäste bei der Präsentation unseres Büffets nie vergessen. Wir hatten alle Köstlichkeiten der Welt: Hamburger, Pommes Frites, Cheesburger, Nuggets und alles, was der Fast Food Laden noch so hergegeben hatte. Alles stilvoll arrangiert und dekoriert... ein wahres Elysium für Feinschmecker...
Seitdem gelten wir als leicht exzentrische Gastgeber ... und unsere Einladungen werden nicht mehr ganz so oft angenommen wie früher...
Stundenlang hatten wir uns der Zubereitung von kleinen Speisen für das Buffet gewidmet, hatten sogenanntes Finger Food und Amuse Geule bereitet, Feinkostsalate und andere Köstlichkeiten hatten wir gezaubert. Nachmittags hatte ich schon das meiste servierfertig dekoriert und aller Platz in der Küche wurde von Platten und Schüsseln beansprucht, die Anrichte bog sich unter der Last der Köstlichkeiten und ein betörender Duft liess einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Da wir aber für die Zubereitung des Sushis noch reichlich Raum brauchten, suchte ich nach einer Möglichkeit, all die Köstlichkeiten kühl zu lagern. Nach kurzem Überlegen entschied ich, dass der Balkon ein gutes Kühlhaus abgäbe und fluggs wanderte alles dorthin.
Also konnte die Sushi-Produktion starten. Leider hatte ich mich mit dem dafür nötigen Zeitbedarf verkalkuliert, was in direktem Zusammenhang mit der mir fehlenden Meisterschaft in der Zubereitung dieser Speise stand, und leichte Hektik trat auf. Erschwerend kam hinzu, dass mir unsere Katzen nicht mehr von der Seite weichen wollten, da sie den köstlichen Duft rohen Fisches wahrgenommen hatten. Zweimal hatten sie schon versucht, mich durch gezielte Achter um meine Knöchel zu Fall zu bringen und es war wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis ich oder der Fisch zu Boden fallen würden. Ich rief eindringlich um Hilfe und mein Freund nahm sich der Katzen an, lockte sie mit etwas Fisch aus der Küche und ich konnte ungehindert weiterarbeiten.
Er war erstaunlich erfolgreich, denn ich hörte noch nicht einmal Protestmiauen. Das wunderte mich ein wenig, denn so groß ist die Wohnung nicht, aber ich hatte anderes zu tun. Das gänzliche Fehlen von Katzenförmigen Fellwesen und den dazu gehörenden, eindringlichen Stimmen, die in sich höher schraubenden Kadenzen um Futter zu betteln pflegten, weckte leises Unwohlsein in mir. Ich fragte, was er denn mit den kleinen Quälgeistern getan hatte. „Ach,“ meinte er, „das war gar nicht schwer, ich habe sie auf den Balkon gesperrt....“.
Ahnungsvoller Schrecken durchfuhr mich. Von dunklesten Befürchtungen gepeinigt stob ich zum Balkon und tatsächlich. Die Katzen hatten die unfreiwillige Einladung zum fürstlichen Abendessen allzu gerne angenommen und hatten alles probiert.
Ein Schlachtfeld war dagegen ein beruhigender Anblick.
Nun musste ganz schnell eine Lösung gefunden werden. Es war kaum noch eine Stunde bis die Gäste eintrafen und mehr als zwei Drittel des Essens waren nicht mehr servierbar. Eine Katastrophe!!! Da konnte nur noch der Feinkosthändler helfen. Also ins Auto gestürmt und in den nächsten Supermarkt mit Feinkostabteilung gefegt. In rekordverdächtigem Tempo sammelte ich ein Assortiment unterschiedlichster Delikatessen ein und sauste mit meinem Wagen zur Kasse. Als die Kassiererin die Summe nannte, suchten mich leichte Schwindelanfälle heim, aber es half ja nichts. Ich zückte also das Plastikgeld... „Es tut mir leid“ sagte die Kassiererin, „aber die Karte wird nicht akzeptiert. Haben Sie noch eine andere“. Klar, hatte ich. Aber... „Nein, tut mir leid, die kann ich nicht nehmen, haben Sie nicht eine xxxxx-Karte?“. Nein, hatte ich nicht. Meine Barschaft reichte gerade mal für ein paar Kaugummis... was tun? Ich bat darum, dass man meinen Wagen kurz ins Kühlhaus schob, während ich schnell versuchen würde, Bargeld zu besorgen.
Auf zur nächsten Bank, aber auch hier wurde die Karte nicht akzeptiert. Also rief ich meinen Freund an. Der sich auch sofort auf den Weg machte, um mit seiner Karte zu Hilfe zu eilen. Sicherheitshalber zogen wir schnell etwas Bargeld und machten uns auf, die wartenden Lebensmittel auszulösen. Als wir am Supermarkt ankamen, traf mich der Schlag. Zu. Wie die Zeit verfliegt, wenn man Spaß hat... Hektisches Klopfen an der Türe, aber niemand wollte uns hören.
Zu Hause standen wohl schon die Gäste vor der Tür... was tun? Kurz erwog ich die Flucht ins Ausland...
Dann die rettende Idee... Eine viertel Stunde später waren alle Gäste in festlichen Abendroben erschienen und harrten erwartungsvoll der Eröffnung des Büffets. Ein leichtes Unwohlsein machte sich bei mir breit, aber da mussten wir nun durch.
Ich werde den dezent fassunglosen Blick unserer Gäste bei der Präsentation unseres Büffets nie vergessen. Wir hatten alle Köstlichkeiten der Welt: Hamburger, Pommes Frites, Cheesburger, Nuggets und alles, was der Fast Food Laden noch so hergegeben hatte. Alles stilvoll arrangiert und dekoriert... ein wahres Elysium für Feinschmecker...
Seitdem gelten wir als leicht exzentrische Gastgeber ... und unsere Einladungen werden nicht mehr ganz so oft angenommen wie früher...
Fein gesponnen - toxea - 23. November 2006, 16:37
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