31
Jan
2007

Ein Telefonat - Samstag abend

Tränen rannen noch immer über ihr Gesicht als irgendwann das Telefon klingelte. Kurzes Erschrecken, das Herz schlug einen kleinen Salto. Es klingelte. Sollte sie überhaupt drangehen. Es war ja klar, dass er jetzt absagen würde. Sollte sie sich dem noch stellen? Zögern. Es klingelte noch immer, dann sprang der Anrufbeantworter an. Dann seine Stimme: „Hallo? Wo bist Du denn? Hallo? Nimm doch bitte ab!“
Nein, sie wollte es nicht wissen.
„Komm, Du bist doch sicher zu Hause, nimm bitte ab.“
Nun gut, das würde sie auch noch aushalten. „Ja? Bist Du das?“ Was für eine blöde Frage.
„Huch, bist Du erkältet? Du klingst ja gar nicht gut.“
Klar klang sie nicht gut, wie auch, wenn er sie immer wieder versetzte. Was würde nun wohl kommen? Eine halbgare Entschuldigung? Arbeit, die nicht warten konnte?
„Was ist denn mit Dir? Geht es Dir nicht gut?“
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Ring frei....

Jemand klopft mit aller Macht gegen meine Schädeldecke. Von innen. Immer wieder. Ich möchte ja sagen, dass er oder sie aufhören solle, allein ich bringe nicht einmal die dafür notwendige Energie auf. Aus der Ferne verkündet mir die Stimme von Nick Cave mit "Stranger than kindness", dass es bald Zeit zum aufstehen ist und ich weiss, dass in einer viertel Stunde der Wecker klingeln wird. Kann dieser Tag nicht ohne mich stattfinden?
Ich bleibe einfach liegen. Und spiele das Spiel, wie verderbe ich mir den Tag richtig. Alle paar Minuten haue ich wieder auf den Wecker und sinke zurück in die Kissen. Nachdem ich mich dem sinnfreien und öden Spiel eine ganze Weile gewidmet habe, begreift ein kleines Areal meines Hirns, dass das der pure Schwachsinn ist. Entweder ich mache den Wecker aus und schlafe richtig oder ich stehe auf. Pflichtbewußtsein gibt mir einen Tritt und ich trolle mich ins Bad, wo ich feststellen kann, dass ich mit dem Gesicht prima Chancen auf eine Stelle als Bremser in der Geisterbahn hätte. Das wird ein schöner Tag. Noch ins Handtuch gewickelt, mit dem ersten Kaffee in der Hand, checke ich meine emails. Heute mal erstaunlich wenig, ich erstarre als ich eine recht gereizte Nachricht des Finanzvorstandes finde. Die alten Mechanismen des schlechten Gewissens setzen erwartungsgemäß in Sekundenschnelle ein. Ich habe mich um das Projekt nicht wirklich gekümmert, habe es auf der Prioritätenliste nach unten geschoben. Mist. Nein, ich denke nicht an die Dinge, die ich in der letzten Zeit erledigt und abgeschlossen habe. Nur an dieses Versäumnis.
Die Welt will sich heute gegen mich stellen und sammelt offensichtlich noch Munition, aber eigentlich braucht sie das ja gar nicht, ich helfe ja, wo es nur geht...
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