3
Jun
2007

SpielZeug


Die Gespielin - Fortsetzung

Sie saß mit hängenden Schultern am Küchentisch und starrte abwechselnd auf das Telefon und dann wieder in die Flamme der Kerze, die träge vor sich hin blakte.
Einsamkeitsgefühle hatten sie überschwemmt wie Regen, der auf versiegelten Boden prasselt. Ihr Denken schwamm in graubrauner Brühe des Selbsthasses und die gnadenlose spitze Stimme, die sich in ihr Hirn gehackt hatte, brüllte Amok. Es war schier unerträglich. Einsamkeit schnürrte ihr den Hals zu, Wut ließ sie zittern und heisse Zornestränen ätzten sich durch die spärlichen Gedanken. Der Streit und die Folgen hielten sie noch immer gefangen. Sie hatte sich benommen wie eine Furie, schämte sich dafür, aber zugleich war sie zutiefst gekränkt, denn sie wusste, dass er sie nur benutzte und das in Ordnung fand. Sie hatte sich ja auch nie beschwert und wenn sie dann einmal kurz zu sagen wagte, dass sie sich wie eine Ausgehaltene, aber nicht wie eine Geliebte fühlte, wurde ihr das gleich wieder als übertriebene Anspruchshaltung ausgelegt und vorgeworfen. Nun wäre es also an ihr, zu Kreuze zu kriechen, ihn anzurufen, sich zu entschuldigen, auf leise, hilflose Frau zu machen, um so zu gleichen Teilen des Beschützer- wie den Besitzerinstikt zum aufflackern zu bringen. Sie kannte das Spiel. Besser als ihr lieb war. Sie wusste, dass sie es durchziehen konnte. Die Haut fror so sehr, dass sie gegen die Illusion einer Berührung vieles einzutauschen bereit war. Wenn sie doch nur nicht so sehr davon überzeugt gewesen wäre, dass sie eine Zumutung sei und sich eben die menschliche – na ja, wenigstens die männliche Nähe – mit einer Art Selbstaufgabe erkaufen musste. Und schon wieder rotteten sich im Hinterkopf die alten Gedanken zusammen, die voller Wut ihre Haßtiraden über die zuckenden Gefühle ausspien. Würden sie jemals zum schweigen kommen? Würde sie jemals anders von sich denken können, als von einer armseligen Bittstellerin, die sich mühsam von den abfallenden Brosamen achtlos weggeworfener Zärtlichkeiten nährte. Zärtlichkeiten, zart wie Sandpapier. Labsal und Qual zugleich, aber sie wusste nicht, was sie dagegen halten sollte. Sie hatte es nicht besser verdient. READ MORE
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