Später Abend
Natürlich war er nicht gekommen. Er hatte sie zum Narren gehalten. Oder hatte sich mal wieder irgendeine andere Gelegenheit nicht entgehen lassen können. Was auch immer. Sie kannte das. Sie hatte so oft auf ihn gewartet, dass sie schon Schwielen an der Seele hatte. Irgendwann würde er dann unvermittelt vor der Türe stehen, mit lausbübischem Grinsen sagen, dass es ihm leid täte, aber er hätte nun einmal einen dringenden Geschäftstermin gehabt. Klar, abends nach zehn gehörte das ja wohl zur Tagesordnung. Hielt er sie den wirklich für so blöd? Sie wunderte sich ja schon, dass seine Ehefrau das alles schluckte und anscheinend keinerlei Zweifel an der Strebsamkeit und dem emsigen Fleiß ihres Herrn Gatten hatte. Er hatte zwar immer mal gesagt, er müsse zu Hause wieder ein wenig für „Gut Wetter“ sorgen, aber ernsthafte Probleme schien es nie zu geben. Es war eigentlich erstaunlich, wie wenig sie von ihm wußte. Von seiner Frau und der Familie wollte sie eigentlich auch nichts wissen, denn so wahnsinnig toll fand sie das Leben als Zweitfrau nun auch wieder nicht, dass sie das Gefühl, nur eine Art Gespielin zu sein, noch durch faktisches Wissen über die andere Frau füttern musste. Sie war stocksauer. Sie kam sich so unendlich blöd vor, hatte sich im Grunde fast schon angebiedert und er hatte nur ein Spielchen mit ihr getrieben. In Gedanken das Gespräch des Nachmittages durchgehend, zündete sie sich eine Zigarette an und nippte am Wein, den sie natürlich extra besorgt hatte. Nur für ihn, weil er ihn so gerne mochte. Ein Grund mehr sich zu ärgern und ihn zu verfluchen.
Sie legte die Stirn an das kalte Fenster, starrte in die Dunkelheit. Mistkerl, elender. Warum konnte sie sich nicht einfach auf theatralische Weise von ihm verabschieden, ihn genauso eiskalt ablaufen lassen, wie er es mit ihr tat? Warum hing sie denn immer noch an diesem Ekelpaket, dass sie im Grunde doch nur benutzte? Wut blubberte in kleinen Blasen durch ihre Gedanken und produzierte neue Wut. Nein, so konnte das nicht weitergehen. Sie musste ihn zur Rede stellen. Sie musste ihm einmal sagen, wie sehr er sie mit seinem Verhalten verletzte. Nein, das wäre wohl nicht gut, wenn sie ihre Verletzlichkeit so deutlich zeigte, würde das nur seine Position stärken. Aber sie wollte mit ihm sprechen, ihn anschreien, ihn zur Rede stellen, ihm zeigen, dass er so nicht mit ihr umgehen konnte. Sie würde zu ihm fahren. Nachsehen, ob er vielleicht noch im Büro war. Zu ihm nach hause konnte sie ja nicht fahren. Obwohl sie in dieser Stimmung sogar das erwog, aber sie wusste ja nicht einmal, wo er wohnte. Er hatte es ihr nie gesagt. Auch so eines der Dinge, die sie ihm an den Kopf knallen wollte. Er hatte immer gesagt, dass er seine Familie da komplett raushalten wollte. „Da raushalten“ – allein die Wortwahl war verletztend. Als wäre das nur eine schmutzige Affaire, vor der man die Unschuldigen schützen müsse. Genau das. Genau das hatte er wohl damit sagen wollen. Ein scharfer Wutschmerz durchzuckte ihr Herz. Genauso behandelte er sie, wie eine kleine schmutzige Affaire. Das musste aufhören. Sie schnappte sich Handtasche und Jacke und stürmte aus dem Haus.
Sie legte die Stirn an das kalte Fenster, starrte in die Dunkelheit. Mistkerl, elender. Warum konnte sie sich nicht einfach auf theatralische Weise von ihm verabschieden, ihn genauso eiskalt ablaufen lassen, wie er es mit ihr tat? Warum hing sie denn immer noch an diesem Ekelpaket, dass sie im Grunde doch nur benutzte? Wut blubberte in kleinen Blasen durch ihre Gedanken und produzierte neue Wut. Nein, so konnte das nicht weitergehen. Sie musste ihn zur Rede stellen. Sie musste ihm einmal sagen, wie sehr er sie mit seinem Verhalten verletzte. Nein, das wäre wohl nicht gut, wenn sie ihre Verletzlichkeit so deutlich zeigte, würde das nur seine Position stärken. Aber sie wollte mit ihm sprechen, ihn anschreien, ihn zur Rede stellen, ihm zeigen, dass er so nicht mit ihr umgehen konnte. Sie würde zu ihm fahren. Nachsehen, ob er vielleicht noch im Büro war. Zu ihm nach hause konnte sie ja nicht fahren. Obwohl sie in dieser Stimmung sogar das erwog, aber sie wusste ja nicht einmal, wo er wohnte. Er hatte es ihr nie gesagt. Auch so eines der Dinge, die sie ihm an den Kopf knallen wollte. Er hatte immer gesagt, dass er seine Familie da komplett raushalten wollte. „Da raushalten“ – allein die Wortwahl war verletztend. Als wäre das nur eine schmutzige Affaire, vor der man die Unschuldigen schützen müsse. Genau das. Genau das hatte er wohl damit sagen wollen. Ein scharfer Wutschmerz durchzuckte ihr Herz. Genauso behandelte er sie, wie eine kleine schmutzige Affaire. Das musste aufhören. Sie schnappte sich Handtasche und Jacke und stürmte aus dem Haus.
Frei Erfunden... - toxea - 16. Jun 2007, 21:23
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