16
Mrz
2008

Angst

Vor einem Jahr. Dieser Moment, in dem alles zu enden schien. Als sich die Bestie Angst des Körpers bemächtigt hatte, nicht nur eine leichte Panik, die einen vergessen ließ, wie man hieß oder wo oben oder unten ist. Nicht einfach Furcht, die den Atem nimmt. Nicht einfach Grauen vor dem, was auf einen wartet.

Statt dessen Angst, die das Herz in gnadenlosem Tempo vorantreibt bis es glüht, so glüht, dass der hechelnde Atem heißer Dampf wird. Angst, die einem den Körper nimmt, bis er als wachsweiße Hülle starr liegenbleibt. Blau angelaufene Finger und Lippen. Äußere Schreckstarre, während im Innern das viel zu heiße Blut sich durch das Hirn wie durch Eis schmilzt. Der brennende Atem der Panik versengt die noch vorhandenen Gedanken, die Feuerfunken gleich durchs Hirn marodieren und alles in Brand stecken, was der glühende Lavastrom der Angst noch nicht davongetragen hat.

Der Körper gehört nun ihr. Eine kalte, tote Hülle, die eben noch schmerzte, aber auch das vergeht. Im Inneren kocht Angst die Seele auf kleiner Flamme bis sie versteht, dass dies nur der Anfang war. Die erste Runde auf einem Trip, dessen Initiator Pan wie einen Schuljungen erscheinen lässt. Ein wilder Ritt in Abgründe, in des es kein Sein mehr gibt. Man kann nichts mehr tun, keine Technik kann einen retten. Man fällt in die Angst, eine schwarze schmatzende Masse, die den kleinen Körper genüßlich zerkaut, die Seele aussaugt und mit spitzen Fingern in den frischen Bisswunden herumstochert. Es gibt nur noch Schmerz. Und Angst. Kein Entrinnnen, man fügt sich und lässt sich von der Angst gegen die Wand werfen, wehrt sich nicht. Fällt, klatscht auf den Boden, rappelt sich wieder auf, stürzt sich ins Feuer oder in die Tiefe. Es ist egal. Man wird zur Marionette der Angst, gibt das Denken auf. Und während man nur noch ein dumpfer, geschundener Körper wird, fliegt ein Gedanke heran. Jetzt kann es nicht schlimmeres mehr geben, als der körperliche Tod. Hirn und Herz sind schon verweste Leichname, dann soll sie auch noch den Körper kriegen.

Dann der Moment, in dem nichts mehr ist. Das Denken hört auf. Kein Gefühl mehr. Kein Wissen. Nur noch dumpfe Existenz, die zuckend am Boden liegt, zu nichts zu gebrauchen. Es fühlt sich an, als verlöre man den Verstand. Man vergeht im Nichts.

Irgendwann kommt man zu sich. Zähneklappernd. Der Körper starr vor Kälte. Die Finger lassen sich kaum bewegen. Ab dem Hals abwärts herrscht Kälte, die bis in die Knochen zieht. Man fühlt nur in Ansätzen und denkt noch weniger. Aber man denkt. Langsam und staksig, als hätte man das Laufen verlernt. Man kann kaum beschreiben, was passiert ist, aber es will ja auch keiner wissen.

Man nimmt eine heiße Dusche, um den Körper wieder ins Leben zurückzuholen. Schließt die Balkontür. Ist so müde, als hätte man drei Wochen am Stück untertage geschuftet und geht zu Bett. Wissend, dass man das nicht noch mal übersteht. Hoffend, dass es nicht noch einmal sein muss. Ahnend, dass es nicht das letzte Mal war.
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