LebensWut VII
Irgendwie war es Nachmittag geworden. Die Halbtagskräfte verließen das Büro, es wurde ruhiger. Theoretisch hätte sie nun ihre Stille Stunde haben sollen. Ein weiterer vergeblicher Versuch, das Chaos des Alltags zu reglementieren. Vermeintlich gute Ideen, die einem auf irgendwelchen Schulungen oktroyiert wurden, um effektiver zu sein. Prioritäten vergeben, stille Stunde, Pareto und all der ganze Zeitmanagement-Blödsinn, von dem ein ganzer Dienstleistungssektor lebte. Wie viele dieser Zeitmanagement-Gurus hielten sich wohl an ihre eigene Doktrin? Es war doch geradezu eine Auszeichnung, keine Zeit, aber viel Stress zu haben. Wieder eine völlig schwachsinnige Selbstüberhöhung. Ich habe keine Zeit, ergo: ich bin wichtig. Sie hatte immer mehr Zeit als ihr lieb war. Viel zu viel Zeit, die leer blieb und sie immer wieder auf die Tatsache der absoluten Sinnlosigkeit zurückwarf. Plötzlich meldete sich nagender Hunger in ihren Eingeweiden. Sie versuchte, tagsüber nichts zu essen. Das war nicht immer einfach, weil eine der Kolleginnen immer wieder Kuchen mitbrachte und manchmal konnte sie nicht widerstehen. Sie hatte das mal besser gekonnt. Damals war sie konsequent gewesen und hatte so ein Gewicht von 44 kg und weniger geschafft und darauf war sie wirklich stolz gewesen. Eitler Fatz, der sie war. Aber dann hatte sie sich auf eine Therapie eingelassen. Gezwungenermaßen eigentlich, weil der Arzt meinte, sie sei zu dünn.
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