Barfuß III

Man stand vor dem Glaskasten, starrte auf das wimmernde Wesen, das an die Schuhe gefesselt schien. Man versuchte, die Schuhe zu befreien, aber das Wesen krümmte sich und krampfte so sehr, dass man sie nicht greifen konnte, stieg man nicht selbst in den Glaskasten. Plötzlich bäumte sich das Wesen auf, schoss in die Höhe, um dann erstarrt und mit geöffneten Augen wieder in den Kasten zurückzusinken. Nun lag es still. Starr und weisshäutig, die Schuhe immer noch umklammert, sah es aus wie eine absurde Alien-Installation.

Man konnte den Blick nicht abwenden. Die Augen des Wesens waren voller Leben, schienen fast zu leuchten, man versenkte sich geradezu in deren Blick und sah. Man sah den nagenden Hunger, der das Wesen von innen auffraß. Ein dreckiger kleiner Kobold, der sich immer wieder in die Innereien verbiss und sich große Stücke mit spitzen Zähnen herausriss. Man sah den Schmerz, der das Wesen überflutete und den Verstand in Verzweiflung badete. Man sah die säuregleichen Tränen, die das Gesicht verätzt hatten. Man sah die Einsamkeit, die sich einer dunklen Glocke gleich übers Denken gestülpt hatte. Man sah all den Schmerz und das verzweifelte Ringen um einen Grund, sich noch einmal dem Schmerz zu stellen. Man sah und verstand. Verstand, dass es keine Erlösung für das Wesen gab. Es war im Schmerz erstarrt und alle Versuche, ihm Linderung zu verschaffen, waren nur dazu geeignet, ihm noch mehr Schmerz zu bereiten. Es gab keine Therapie für diesen Schmerz außer dem Tod.

Also würde man es töten müssen. Man starrte in die weit geöffneten Augen, versuchte zu ergründen, ob das Wesen verstand, dass man ihm helfen wollte. Die Augen verdunkelten sich, nichts war mehr zu erkennen. Man stand auf, schaute sich um und fand den Eimer, den man brauchte. Man lief auf blutigen Füßen durch den dicken Staub in den Vorraum, um dort den Eimer zu füllen. Man würde oft laufen müssen, jeder Schritt ein stechender Schmerz.
Der Staub färbte sich rot, während sich der Glaskasten nur langsam mit Wasser füllte. Man würde stundenlang so hin und herlaufen müssen, unter beissenden Schmerzen, aber man musste dieses Wesen ertränken, sonst bekäme man die Schuhe nie zurück.

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