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Der Job

6
Mrz
2009

Treibsand

Ich gehe jetzt. Bin schon gegangen und habe doch nur so getan. Bin noch lange nirgendwo angekommen, aber es ist klar, es gibt keinen Weg zurück. Mehrfach mit der Idee gespielt, den Job in Indien anzunehmen, aber ich kann für diese Firma nicht mehr arbeiten. Die alten Muster sind zu tief geprägt und binnen kürzester Zeit trüge ich wieder mehr Hüte als selbst das wildeste Medusenhaupt vertrüge. Endgültiger Abschied. Der Job ist Geschichte. Zeit, anderes Neuland zu betreten.

Fortuna sitzt in Geiselhaft. Gedanken versuchen im Treibsand Halt zu finden. Ich bin niemals freier als ich mich denken kann. Noch zu sehr der vermeintlichen Realität verhaftet. Umstände sind nicht unabänderlich, alles kann geändert werden. Ich habe es ja schon zwei Mal gewagt, wenn auch nicht aus ganz freien Stücken. Aber diesmal ist es einfacher, denn ich habe entschieden, dass etwas aufhören und etwas Neues beginnen soll.

Das Denken muss entrümpelt werden, im besten Falle sogar entgrenzt. Ich habe den Mitarbeitern immer gepredigt, dass es „Das geht nicht“ nicht gibt, nun muss ich meiner eigenen Beschwörungsformel folgen.

Alles geht.

Ich gehe jetzt.

30
Dez
2008

Zeit für neue Unterweltszugangspflasterungsprojekte

Noch einmal in den alten Job eintauchen und 1000 Dinge erledigen, die ich in den letzten Tagen hätte tun sollen. Wieder Zeit vertan und viel zu lang im Stupor verbracht, gefangen in Kerker meines Unvermögens. Verzagt.
Dabei habe ich doch ein neues Jahr vor mir, von dem ich nicht im geringsten weiß, was es bringen wird. Kein Job mehr. Neue Perspektiven suchen. Den Trott der letzten 10 Jahre verlassen. Kaum zu glauben. Noch immer keinen Abstand gewonnen, noch steuert mich das alte Muster: Wenn alle Stricke reissen, kann ich den Job in Indien annehmen. Aber warum sollten alle Stricke reissen, vielleicht ist ein anderes Leben möglich.

24
Dez
2008

Ende Neu

Gestern war der letzte Tag, dann ist ja wohl heute der erste Tag...

Mehr als neun Jahre fanden ein unrühmliches Ende, da zum Schluss noch Kündigungen ausgesprochen werden mussten. Mehr als 30 Kündigungen in sechs Wochen sind eine Bürde, die erdrückt, martert, sich mit Widerhaken ins Fleisch bohrt. Sie hat das aufkeimende Gefühl der Freiheit und den zarten Hauch von Freude jäh erschlagen und die kleinen Leichen modern im Gemüt, wo sie längst zu aufgedunsenen Massen wurden, deren Verwesungsgeruch mir den Atem nimmt.

Nun also noch ein paar Aufräumarbeiten und der Versuch der Abstandgewinnung. Abstand tut bitter Not. Die Spannung der letzten Wochen und Monate hat sich einem Kokon gleich um weite Bereiche meines Denkens gelegt, alles ist zu eng, aus den gefangenen, gepressten Gedanken rinnen Tränen, die ich gar nicht weinen will, weil sie mich in tiefere Gewässer spülen würden, in denen ich nicht schwimmen kann, solange mir Hände und Füße mit den Stricken des Verantwortungsgefühls gebunden sind.

Es ist Zeit für Veränderungen, aber die brauchen Raum, den sie sich nun mühsam erobern müssen. Zeit für eine Brandrodung, die all das angesammelte und halbverdaute verbrennt. Es wird ein gigantischer Scheiterhaufen werden, das Feuer sollte locker einige Wochen durchbrennen können. Aber ohne Brandbeschleuniger wird es nicht gehen, denn alle Versuche, den Morast im Denken vorher trockenzulegen, sind gründlich gescheitert. Das dumme Herz hat immer wieder sämtliche Drainagen blockiert, zerstört und umgeleitet. Aber auch das soll Geschichte sein, nicht neu, und immer wieder neuaufgelegt.

Nun gut, es müssen Tränen geweint, Feuer gelegt und Wunden gepflegt werden.

Wir kennen uns schon lange, der Phönix und ich.
Ich lehrte ihn zwei Worte, damit er mit mir spricht.
ENDE NEU

16
Dez
2008

Die Kunst des Aufgebens

Es gibt ja immer 100 Dinge, die man vor sich herschiebt, die immer wieder einen Anflug von mehr oder weniger starkem schlechten Gewissen auslösen, wenn man mal wieder daran erinnert wird, dass dieses oder jenes noch nicht gemacht wurde.
Zur Zeit habe ich Gelegenheit, jeden Tag eines oder mehrere solcher Projekte zu verabschieden und auf immer in den Orkus zu senden. Gelegentlich erfüllt es ja mit Freude, wenn so ein langgehasstes, ewig aufgeschobenes Vorhaben über die Klippe geht. Im Moment fühle ich aber nur versagen, alles nicht geschafft. Ständig das Gefühl, völlig falsche Prioritäten gesetzt zu haben. Tja, dann heißt es jetzt, mit Anstand zu scheitern.

11
Dez
2008

Es geht voran.... mit dem Ende

Allmähliches Aufatmen. Noch bis zu den Haarwurzeln in Arbeit getaucht, aber doch so langsam das Gefühl, das ist alles bald zu Ende. Das Bekanntwerden meines Weggangs löst Betroffenheit, sogar Bestürzung aus. Ein später, zu später, kleiner Ego-Boost.
Immer deutlicher wird das Empfinden, dass ich das richtige getan habe. Jedem, der mich fragt, ob ich mir das denn wirklich gut überlegt habe - vor allem jetzt angesichts der Krise in der Automobilindustrie - kann ich mit Überzeugung und mir selbst bisher fast unbekannter Gelassenheit entgegnen, dass ich genau das tue, was jetzt für mich wichtig ist. Mit den Konsequenzen kann ich leben.

7
Dez
2008

This is the end

Ende. Aus. Vorbei. Endgültig den Job gekündigt. No point of return. Ab erstem Januar also vogelfrei. Kein Job. Kein Einkommen. Und doch weiß ich, dass das jetzt so sein muss. Antizyklisches Denken ist wahrlich angesagt. Davon abgesehen, bemerke ich jetzt erst ganz langsam, wie mein Denken wieder neue Freiheitsgrade erobert. Noch weit entfernt von der Offenheit im Blick und der Freiheit kühner Gedankenexperimente, bemerke ich doch, dass ein Hauch von Frische das marode Hirn durchstreift. Das Ende ist absehbar. Es wird noch mal richtig eklig werden, es wird eine Schlammschlacht als Schlusskapitel. Sei es drum. Schlamm lässt sich abwaschen, ein verbogener Geist nur schwerlich richten.

12
Nov
2008

Nicht nur ein Wort...

ARBEIT!



I am SO tired... how long will this go on?

12
Apr
2008

Vorhang, der erste...

Sich selbst zum Geburtstag die Kündigung zu schenken, ist vielleicht ein etwas befremdlicher Gedanke, aber manchmal das Beste, was man tun kann, auch wenn Zweifel bleiben und der Schritt nicht leicht fiel, wächst fast täglich die Erkenntnis, dass es hohe Zeit war, weil sonst der eiserne Vorhang über kurz oder lang gefallen wäre.

Nun muss der Rest der Spielzeit noch mit Anstand überstanden werden, entgegen den eigentlichen Plänen, die Spielzeit bis zum Ende durchzuhalten, taucht immer wieder der Gedanke an eine drastische Verkürzung auf. Auf der anderen Seite ist das nun ein idealer Übungsplatz für neue Strategien, was kann schon passieren, gekündigt hat man ja schon.

Der Gedanke, dass der Lebensinhalt der letzten 10 Jahre irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft Geschichte sein wird, ist nicht unbedingt beruhigend, aber der Wunsch, diesem Leben so ein Ende zu setzen, wird dadurch nicht gemindert.

6
Mrz
2008

Gegen die Wand gesetzt...

die wände machen dich glauben es gäbe keine tür.

Den Satz habe ich bei to01 gefunden und er passt gerade besonders gut.

Die Wände haben sich vor einem aufgebaut und erscheinen unüberwindbar. Undurchdringlich. Türen verstecken sich. Es scheint nichts zu helfen, als sich immer wieder mit voller Wucht gegen die Wände zu werfen, bis endlich die Wände nachgeben oder wenigstens alle Knochen gebrochen werden, damit der Gegenschmerz seine Wucht entfalten kann und einem die mächtige Ohrfeige gibt, die das Denken an den Tritt, den man gerade bekam, relativiert.

13
Feb
2008

Who’s got the blues?

Auf dem Weg ins Büro zum hundersten Male gefragt, was mache ich hier eigentlich? Der Job war mal als Übergangslösung gedacht und auch das nur, weil ich eigentlich weder damit gerechnet habe, dass ich ihn bekomme, noch ihn wirklich wollte. Damals dachte ich mir, das mache ich mal für ein Jahr oder so und dann sehen wir weiter.

Die Übergangslösung wurde zur Dauerlösung und trotzdem fühlt es sich oft an, als liefe ich mit fremden Füßen. Wie lange schon denke ich an Veränderung, will einen Wechsel wagen und lasse mich doch immer wieder von den Dringlichkeiten des Joballtags von der Zieldefinition abbringen. Wie oft habe ich mir vorgenommen, mich endlich nach neuen Perspektiven umzuschauen und scheitere schon daran, mir selbst einen Zeugnisentwurf zu erstellen, um meine Unterlagen zu vervollständigen.

Immer wieder das Gefühl, dass der Job weitaus mehr kostet, als er bringt, dass er mich großer Teile meines Lebens beraubt hat, dass er wichtige außerberufliche Gefilde einfach platt gemacht hat. Natürlich konnte das nur geschehen, weil ich es zugelassen habe und weil ich mich schlicht nicht getraut habe, andere Bereiche zu verteidigen. Nun gut, das ist passiert.

Aber wie nun weiter? Woher nehme ich die Energie, die Veränderung zielstrebig anzugehen oder woher bekomme ich die Gleichgültigkeit, den eingeschlagenen Weg einfach stur weiterzugehen, weil ich nicht in der Lage bin, mir einen anderen zu bahnen? Eines von beidem muss geschehen, denn alles dazwischen ist sinnloses Hadern, dass nur noch mehr Energie kostet, die Stimmung vergiftet und einen prima Planschbecken für das selbstverzagte Baden im eigenen „Leid“ darstellt.

Manchmal möchte ich einfach aufstehen und losgehen. Einfach weg, ein One-Way-Ticket ans andere Ende der Welt kaufen und da von Null anfangen. Klingt böse nach Midlife-Crisis. Meine Güte, bin ich denn schon sooo alt?
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