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    <title>GrenzGang (Fiktion und Wirklichkeit) : Rubrik:Fein gesponnen</title>
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    <description>Fiktion und Wirklichkeit</description>
    <dc:publisher>toxea</dc:publisher>
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    <dc:date>2008-06-13T16:23:09Z</dc:date>
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    <title>GrenzGang</title>
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  <item rdf:about="http://grenzgang.twoday.net/stories/4967532/">
    <title>Schattentod</title>
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    <description>Die Schatten wandeln nicht mehr durch das finstergrüne Denken des im Alltag erstarrten Gehirns, sie haben sich in dunkle Abseiten des Hirns zurückgezogen, frissten ihr klägliches Dasein in unbewusster Agonie, verbrauchen sich im mühsamen Torkeln durch gesperrte Areale eines Verstandes, der sich der Funktion verschrieben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Schatten noch lebendig waren, hatten sie sich an den Träumen satt gefressen, hatten sich im Wünschen eingerichtet und den kleinen Schmerz der Sehnsucht in das Denken gespült. Die Schatten hatten sich vermehrt, hatten sich an den Träumen gemästet, waren gierig geworden, wollten den Tag wie die Nacht beherrschen und überspülten den Verstand mit dem nicht mehr ganz so süßen Gift des unerfüllten Verlangens, das sich im Dunkeln so trefflich vermehrt und die Gefühle in einen treibsandartigen Sumpf verwandelt. Im Sumpf gediehen viele neue Blüten, die betörende Düfte ausströmten, das Wollen evozierten und die ungeheure Sucht nach sinnlichen Erfahrungen aus dem Boden stampften. Da stand die Sucht, bebend vor Verlangen, gewaltig in ihren Ausmaßen, unüberspürbar in ihrem Drängen und hatte den kleinen Körper in haltlosen Rausch treiben wollen, hatte nicht eher nachgelassen, bis alle Fasern dieses zarten, aber kraftvollen Körpers vibrierten und sich in einer großen Explosion verbrauchen wollten. Das Leben pulsierte in jeder Zelle wie ein brandendes Meer bei Sturmflut, das Blut zischte kochender Lava gleich durch die viel zu engen Arterien und alles Atmen ließ die Luft wirbelnd durch die Lungen schießen. Das Sehnen war zum Brand geworden, die Schatten wurden Feuergeister, ach was, Feuerteufel , die das Denken in lodernde Flammen aufgehen ließen. Selten hatten sie sich so lebendig gefühlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bebender Körper, angefüllt mit spürbarem Wollen, einem Verlangen, das sich wie eine mächtige Aura um die Erscheinung legte und die Anwesenden in den Bann schlug. Niemand konnte sich der Lebendigkeit dieses Wesens entziehen, die einen waren fasziniert, andere erschreckt und einige verunsichert. Doch viele reagierten mit Ablehnung, Entsetzen, dieses brennende, nach außen gestoßene Leben, dieses verlangende Feuer und die physische Erscheinung eines Lust versprechenden Körpers hatte einfach keinen Platz in der wohlgeordneten Welt des funktionierenden Bürgers. Diese Sinnlichkeit war nachgerade unanständig und man konnte ihm nicht ins Auge sehen, ohne sich in den wildesten Träumen aus der Ursuppe des Lebens wiederzufinden. Man konnte sich ihm einfach nicht entziehen, es war so unschuldig in der so tief empfundenen Sehnsucht nach dem sinnlichen Erdbeben, dass es völlig unverstellt und offen auf die Menschen reagierte. Doch schon das Lachen, diese tiefglucksende, aus dem innersten aufsteigende Lachen, das wie Rinnsal leicht temperierten Öls über das Rückgrat lief, rief eine wohlige Gänsehaut hervor. Man hätte sich in das Lachen legen wollen, hätte ihm folgen und die Quelle des Lachens erobern wollen. Das Strahlen der Augen, der samtige Geruch der Haut, die einfach danach schrie berührt zu werden und das Sehnen in allen Gemütern zur mächtig-nächtlichen Gewalt aufstachelte, waren fast mehr als man ertragen konnte. Man wollte sich diesem Wesen anverwandeln, wollte in ihm versinken, in ihm ertrinken, an ihm verbrennen und wenn es das letzte war, was man tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch es konnte nicht hingenommen werden. Dieser Körper, der soviel wunschbrennende Lust verströmte, dieser gierige Geist, der sich so ungeniert in ekstatischem Sprühen verbreitete, musste gebändigt werden. Soviel Lebenslust und gier musste verstörend und abstoßend wirken und das wurde dem Wesen auf schonungslose Art deutlich gemacht. Er lernte, an sich selbst zu leiden und dann hatte man es so weit, dass es selbst um die Erlösung von der fordernden Sinnlichkeit bat. Man heilte es von all seinem Sehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, die Schatten wandeln nicht mehr. Sie ruhen im Stupor in ihren engen Gefängissen und starren müde vor sich hin. Aus den Schattenmündern rinnt gelegentlich ein wenig graues Blut. Wenn es auf den Boden tropft, sieht man ein paar kleine Spritzer, die schnell vertrocknen, aber für einen Moment ist er wieder da, der samtigheiße Duft der Sinnlichkeit und für eine Sekunde ist das Glitzern in den Augen noch zu sehen, bevor das Alltagsgrau das Licht der erstickten Augen bricht.</description>
    <dc:creator>toxea</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://grenzgang.twoday.net/topics/Fein+gesponnen&quot;&gt;Fein gesponnen&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 toxea</dc:rights>
    <dc:date>2008-06-02T21:59:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://grenzgang.twoday.net/stories/4311458/">
    <title>Rettungen</title>
    <link>http://grenzgang.twoday.net/stories/4311458/</link>
    <description>Hier. - Das glaube ich nicht. Solche Selbstverletzungen zeigen doch einen inneren Konflikt. Da kann man doch mit arbeiten.&lt;br /&gt;
Meine Güte, Sie sind ja naiv. Innerer Konflikt. Da kann ich nur lachen. Er war ein harter Mann, der nichts an sich heranließ. Der alles unter Kontrolle hatte. Zumindest nach außen. Und wenn er sich nicht gut genug fühlte, hat er mich beleidigt oder verletzt, damit das Kräfteverhältnis wieder stimmte.&lt;br /&gt;
Wie hat er das denn hinbekommen. Sie sind doch eine starke Frau, machen einen autarken Eindruck, wie hätte er sie so treffen können?&lt;br /&gt;
Ach was, das sieht nur so aus. Er wußte genau, wie er mir weh tun konnte. Wenn ich eine Diät machte und dann ein paar Kilo abgenommen hatte, kam er daher und sagte mir: Ich denk Du wolltest abnehmen, Du siehst ja aus wien Hamster. Oder wenn er aus der Sauna kam, erzählte er mir, wie schön die anderen Frauen waren und sagte dann so etwas wie: Das war echt mal `ne Frau, die beim Ausziehen schöner wurde . Dabei hat er mich so abschätzend angesehen, dass ich mich nur noch schämte. &lt;br /&gt;
Na ja, das ist zwar nicht nett. Aber so schlimm kann ich das nun auch wieder nicht finden. Aber das ist doch kein Grund. &lt;br /&gt;
Kein Grund? Meine Güte, Sie verstehen doch überhaupt nichts. Permanent hat er mir eingeredet, wie häßlich ich sei. Dass ich abnehmen muß. Dass ich nicht für diese Welt gemacht bin, und ohne ihn nicht auf die Kette kriege. Keinen Schritt durfte ich alleine tun. Wenn ich es einmal wagte, mich mit einer Freundin zu verabreden, musste ich ihm genau sagen, wo wir hingingen und jedes Mal hat er einen fadenscheinigen Grund gefunden, dort auch aufzutauchen. Weil er mich abholen wollte, oder noch an den Briefkasten musste oder noch spazierengehen wollte. Es war unerträglich, er bewachte jeden Schritt. &lt;br /&gt;
Aber Sie hätten doch mit ihm reden können. Ihm sagen können, dass kein Grund zur Eifersucht besteht. Oder hatte er etwa recht mit seinen Befürchtungen? &lt;br /&gt;
Wie sind Sie denn drauf? Klar, ich wollte die erstbeste Gelegenheit nutzen, um ihn zu betrügen&lt;br /&gt;
Dann hatte er also recht.&lt;br /&gt;
Hallo??? Das war ironisch gemeint. Sie haben aber auch kein Ohr für Zwischentöne. &lt;br /&gt;
Das heißt, Sie wollten ihn nicht verlassen?&lt;br /&gt;
Doch, verlassen wollte ich ihn schon. Aber nicht, weil ich ihn nicht geliebt hätte, sondern weil ich die Umstände einfach nicht mehr ertrug. Die permanente Kontrolle. Das permanente Verletzten, sobald es mir mal besser ging. Alles war wunderbar, wenn es mir schlecht ging. Wenn ich aus dem Heulen nicht rauskam, Angst vor der Welt hatte, dann war er stark. Kümmerte sich aufopferungsvoll um mich. Spielte den Helden. War der große Retter. Aber wenn ich mal ein wenig besser drauf war, meine Stärke spürte und neues ausprobieren oder gar neue Wege gehen wollte, kam er nicht klar. Er kannte meine neuralgischen Punkte. Bestrafte mich sofort. Warf mir vor, dass ich fett sei, zuviel äße oder dass ich wie ein Wrack aussehe. Er wußte, dass ich früher magersüchtig war und sehr unter meinem neuen Gewicht litt. Er konnte wunderbar strafend gucken, wenn ich mir eine zweite Kartoffel nahm und machte dann so Bemerkungen wie: Na, hast Du heut Bäume gefällt oder wieso kannst Du Dir heute so`ne Völlerei gönnen.&lt;br /&gt;
Hmmm. Aber das ist doch nur Gerede. Da stehen Sie doch drüber. Nochne Zigarette?&lt;br /&gt;
Danke. Sie begreifen es echt nicht. Ich habe darunter gelitten und zwar sehr. Er hat mir immer wieder von anderen Frauen erzählt, die besser, einfacher, schöner und was weiß ich waren. Dann hat er angefangen, mich in der Wohnung einzusperren, wenn er weg war. Damit ich keine Dummheiten mache.&lt;br /&gt;
Also haben Sie ihn doch betrogen?&lt;br /&gt;
Sagen Sie mal, Sie denken ja genauso eingleisig wie er. Ich fass es nicht. Nein, ich hatte versucht, mich umzubringen. Hatte versucht, mir die Pulsadern aufzuschneiden. Dann kam er nach hause und fand mich blutend im Bad. Da ist er ausgerastet. Erst gab er mir eine Ohrfeige, dann hat er mir die Gelenke verbunden und mich ins Bett gesteckt. Dannach hat er mich eingeschlossen, wenn er weg war. Vorher hat er alles entfernt, womit ich mich hätte verletzen können. Sogar die Küche hat er abgeschlossen, da durfte ich nur noch mit ihm rein. &lt;br /&gt;
Na, er hat sich halt Sorgen gemacht.&lt;br /&gt;
Wie bitte? Drückt man so Sorge aus? Das ist doch die totale Kontrolle. Es ging ja noch weiter. Ich durfte nur noch in seiner Gegenwart telefonieren. Es fehlte nur noch, dass er mithörte, was auf der anderen Seite gesagt wird. Ich habe dann den Kontakt zu fast allen abgebrochen und wenn jemand für mich anrief, hat er mich oft verleugnet, obwohl ich da war. Wenn er zur Arbeit ging, hat er das Telefon in der Küche eingeschlossen. Meine Post hat er auch geöffnet und mir nur dann gegeben, wenn er es richtig fand. Es war die Hölle. Ich hatte kein Leben mehr. Ich habe ihn angefleht, dass er mich rauslässt, dass er mich gehen lässt. Da kamen dann die Drohungen, dass er Amok laufen würde. Sogar meiner Familie hat er gesagt, dass er sich umbringt, wenn ich ihn verlasse. Zu der Zeit hat er auch angefangen, mich nachts ans Bett zu fesseln, damit ich nicht weglaufe oder irgendetwas unternehme während er schlief. &lt;br /&gt;
Mein Gott. Aber es muß doch Ihrer Familie aufgefallen sein, dass da was nicht stimmte. Haben die denn nichts getan? &lt;br /&gt;
Nein, nicht wirklich. Die fanden ihn zwar strange, aber gekümmert hat es sie nicht wirklich.&lt;br /&gt;
Das ist natürlich nicht gut. Wie sind sie denn überhaupt aus der Wohnung raus gekommen? &lt;br /&gt;
Nicht gut, das ist wohl die Untertreibung des Tages Ich habe geübt, wie man Fesseln anschneidet und mürbe macht. Tagelang habe ich mit Streifen aus Betttüchern geübt, bis ich den Bogen raus hatte.&lt;br /&gt;
Aber hatten sie denn ein Messer? Ich denke, Sie kamen an nichts ran.&lt;br /&gt;
Ich hatte mir ein altes Küchenmesser geklaut. Als wir zusammen kochten, habe ich es eingesteckt und dann außen am Fenster der Toilette festgekebt. Als ich dann dachte, dass ich das mit den Fesseln im Griff habe, habe ich es auf meiner Bettseite versteckt. Und dann habe ich nachts die Fessel an meiner rechten Hand aufgeschnitten. Habe mich im Handumdrehen angezogen, den Autoschlüssel geschnappt und bin aus der Wohnung getürmt. &lt;br /&gt;
Steckte den der Schlüssel in der Haustür? Ich dachte, er hätte immer abgeschlossen.&lt;br /&gt;
Hatte er auch, aber ich wußte, wo er die Schlüssel aufbewahrt und habe mit dem Messer die Schublade aufgestemmt, den Schlüssel dafür hatte er ja um den Hals hängen, den hätte ich wohl nicht losbekommen, ohne ihn zu wecken. Aber die Schublade war ein Witz, die hätte man mit einem Lineal aufstemmen können.&lt;br /&gt;
Und dann sind Sie rausgelaufen. Wohin wollten Sie denn?&lt;br /&gt;
Keine Ahnung, nur weg. Mein Herz schlug so laut, dass ich dachte, er muss es hören. Ich war schweißnass und hatte eiskalte Hände, aber irgendwie habe ich es geschafft. Bin raus und ins Auto. Aber er hat die Tür gehört. Und hat wohl sofort begriffen, was passiert war. Als ich den Wagen gerade anließ, stand er auf der Straße. Fluchend und zitternd vor Zorn kam er auf mich zu. Brüllte mich an, drohte mir mit den Fäusten.&lt;br /&gt;
Und da haben Sie ihn einfach überfahren?&lt;br /&gt;
Ja. Es ging nicht anders. Ich saß zwischen den Stühlen. Meine Freiheit oder sein Leben. Ich musste ihn aus dem Weg schaffen.</description>
    <dc:creator>toxea</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://grenzgang.twoday.net/topics/Fein+gesponnen&quot;&gt;Fein gesponnen&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 toxea</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-02T05:38:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://grenzgang.twoday.net/stories/4158169/">
    <title>Rattenmurmeln</title>
    <link>http://grenzgang.twoday.net/stories/4158169/</link>
    <description>die Innereien und Zwerchfell mit dumpfen Schlägen malträtierte. Man stolperte voran, erreichte die Tür und stand in der Küche. Dort brodelte und bruzzelte, dampfte und zischte es. Inmitten des Infernos wirbelte der sechsarmige Koch durch die Schar einäugiger Küchenjungen, die hektisch allerlei Tier zerlegten. Der Blick glitt panisch über Spinnen, Ratten, Würmer, Frettchen, Mäuse, Schlangen und blieb an einem Skunk hängen. Hatte man ähnliches eben gegessen? Wieder boxte die Faust in die Eingeweide.&lt;br /&gt;
Der aufgeregte Sous-Chef kam mit den Tentakeln wedelnd angelaufen. Sofort raus hier! Unbefugte haben hier keinen Zutritt. Raus, raus! Schon schob er einen mit glibberigen, aber kraftvollen Armen in den Flur, wo eine Gruppe uniformierter Wesen mit Springfüßen und bizarr geformten Oberkörpern aufgeregt diskutierte. Am Ende des Ganges sah man eine Tür und stürzte darauf zu. Nur raus hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hatte schon wieder Ratten im Soufflé gefunden. Vorsichtig hatte man den herrlichen Deckel mit spitzen Löffel geöffnet und mit verzerrtem Gesicht die Körper der mumifizierten Nager freigelegt. Man mochte einfach keine Ratten mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der letzten Flut waren die Ratten aus den Sümpfen geflohen, hatten sich in wuselnden Scharen in die Stadt gestürzt und drohten alle Vorräte zu vernichten. Sie waren so hungrig, gierig nach allem essbaren. Tagelang hatten die Menschen hilflos zugesehen, wie die Meute in alle Lagerräume und Speisekammern eingefallen war, um orgiastischer Völlerei zu frönen. Man legte giftige Köder aus, die Ratten aber waren schlau. Rattengreise hatten sich als Vorkoster hergegeben und nur, wenn sie das Mahl überlebten, fraßen auch die anderen. Rattenmütter hatten die Jungen mit kleinen Dosen der Köder gefüttert und sie so immunisiert. Die Ratten vermehrten sich schneller, als man sie dezimieren konnte. Man hatte sie gejagt, verbrannt, in Fallen gelockt, aber für jede erlegte Ratte schienen drei neue aufzutauchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann war der Rattenfänger gekommen. Tagelang hatten die Bewohner alle Nahrungsmittel in LKW, Bussen, Autos und Schubkarren ins Stadion gekarrt, hatten ungeheure Berge der verschiedensten Lebensmittel aufgehäuft und warteten. Die Ratten kamen aber nicht. Schon hing fauliger Duft über den Nahrungsbergen, als der Rattenfänger mit einer Gulaschkanone voll gerösteten Specks durch die Straßen fuhr, dabei betörende Weisen auf der Schalmei spielend. Tatsächlich schlossen sich ihm schnell einige Ratten an, denen weitere folgten, bis er endlich den ekelhaften Triumphzug durch rattenschwarze Straßen ins Stadion führte. Der Klangteppich aus Quietschen, Pfeifen, Trippeln und Trappeln der millionenfüßigen Schar fiel mit der Nachhut der Rattengreise in sich zusammen. Stille. In den Straßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Stadion aber herrschte das große Fressen. Von Gier berauscht, vom Überfluss besoffen hatten sich die Tiere schlingend in die Nahrungsberge gebohrt. Schmatzen, Grunzen und Kauen, wohin man hörte. Dann hatte das Schlachten begonnen. In ihrer Wut schlugen die vom Hunger gezeichneten Menschen gnadenlos auf die Pelztierchen ein. Ein Gemetzel. Kreatur gegen Kreatur. Im hermetisch abgeschirmten Kessel hatten die Nager wenig Chancen. Erschlagene und geköpfte Leiber vermischten sich mit dem Nahrungsbrei und boten ein gruseliges Bild. Die überlebenden Ratten wurden in Gattern gefangen und sollten für lange Zeit die größte Nahrungsquelle sein.&lt;br /&gt;
Später als dies schon fast nur noch erzählte Geschichte war, fanden abgedrehte Köche es originell, Ratten als ironisches Zitat für ihre Kreationen zu verwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hatte schon wieder Ratten im Soufflé gefunden. Nein, das Vergnügen wollte man der blöden Bande nicht gönnen. Jetzt bloß keinen Laut ausstoßen, kein hastiges Aufstehen, kein Würgen, kein Ekel. Man hätte die Mischpoke gerne geschockt, indem man das Tier ungerührt aß, aber man war satt.&lt;br /&gt;
Na, da haben sie ja das Soufflé Surprise bekommen, Sie Glückspilz! witzelte der laufende Quader, der den Abteilungsleiter spielte und sich für komisch hielt.&lt;br /&gt;
Wut kroch das Rückgrat hoch. Man sollte diesem Clown ein heißes Soufflé mitten ins Gesicht drücken. Aber das war schon kalt.&lt;br /&gt;
Ja, das ist gemein, immer bekommen Sie die Ratten. Das war der Vorzimmerdrache vom Chef. Sie zehrte kümmerlich von dem aus dem Chefzimmer leckenden Abglanz der Macht.&lt;br /&gt;
Stimmt, die Ratte hätten Ihnen wirklich zugestanden! Sie haben ja auch so schöne spitze Zähne und einen schlechten Geschmack, knurrte man, stellte die verhasste Nachspeise vor ihre Nase und trat unter dem Getuschel und Gekicher der Kollegen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hatte schon wieder Ratten im Soufflé gefunden. Wie man diese Restaurants hasste und doch landete man immer wieder in einem. Immer das gleiche Spiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man ging ins beste Haus am Platz und wurde von dezenten Kellnern hofiert. Der andere Gast fachsimpelte mit dem Sommelier über die Vorzüge einzelner Weine. Das Gespräch plätscherte in freundlicher Harmlosigkeit vor sich hin. Man war elegant und gelangweilt. Stieß mitfühlende Laute aus, um das Gegenüber im eitlen Monolog zu bestärken. Man ahnte wie es weitergehen würde. Kultiviert und gedankenleer. Bis das Dessert kam. Resigniert öffnete man das Soufflé, fand die Ratte und wartete darauf, welches Panoptikum nun losbrechen würde. Doch es folgte nur freundliche Finsternis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hatte schon wieder Ratten im Soufflé gefunden. Die Biester schafften es immer wieder, blitzschnell in die wartenden Souffléformen abzutauchen, die sie dann von innen aushöhlten und in denen sie den heissen Backofentod fanden. Man erschreckte bei jedem Fund einer Füllung aus vertrockneten Kadavern. Klebriger Ekel verströmte schlechten Geschmack, der die Träume mit Rattenaroma kontaminierte.</description>
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    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://grenzgang.twoday.net/topics/Fein+gesponnen&quot;&gt;Fein gesponnen&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 toxea</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-12T14:19:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://grenzgang.twoday.net/stories/3013993/">
    <title>Sinnfrei in den Samstagabend</title>
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    <description>Der dickfellige, aber spindeldürre Affenkönig sitzt aufgeblasen auf dem gusseisernen Deckel einer irdenen Mülltonne, in der nur am 30. Februar Müll zu finden ist, und zieht wutschnaubend den aromatischen Duft langsam dahinwelkender, junger Bambustriebe ein, während auf der anderen, lila gestrichenen Strassenseite ein halbkahler, graublütiger Verkehrspolizist zähnefletschend seinen gläsernen Gummiknüppel verspeist und sich die dröhnenden Autos wie ein wild gewordene Windmühle geschickt in einander verkutzeln lässt, so wie jeden lieblichen Samstagabend in der sonnig-dunstigen Metropole des östlichen Mittelwestens geschieht, wo normalerweise nur besonders prächtige Pinguine den nassen Sand zur Seite schieben, um an die begehrten stinkenden Froscheier, die nur bei 100 Grad im Schatten des lachenden Eifelturms so recht gedeihen, zu gelangen, sofern sie die putzigen Verstecke finden, in die diese aussergewöhnliche Delikatesse von den jodelnden Möwen, die in grauer Vorzeit das Salz in die fernen Meere getragen haben, gelegt wird, wobei es auch solche pflichtvergessenen Möwen gibt, die lieber die rostigen Nägel aus den flüsternden Balken ziehen, obwohl sich die Balken gerne in die glühenden Steppen des verwaisten Einkaufszentrums flüchten würden, um sich die einschläfernde Peep-Show der jungen Hähnchen an der grössten Theke der Sonne anzusehen, doch sie würden ohnehin von den tirillierenden Elefanten, die auf zierlichen Mücken einhergeritten kommen, gestört werden, denn deren mühsame Pflicht ist es, die wilden Mengen von Algen und Wasserflöhen in die ungeheuren Wälder Chinas zu treiben, weil diese dort Froscheier herstellen und Bambus hacken müssen, um so den nächsten sonnigen Samstagabend zu ermöglichen, der ja bekanntlich von der langen Prozession der Foxtrott-tanzenden Palmen und der steinewerfenden Eichhörnchen beendet wird, um sicher gehen zu können, das alle blauen Bohnen von den zirpenden Ameisen beseitigt werden, denn dann erst darf die helle Nacht die traurige Landschaft mit einer feinen, netzartigen Eisschicht überziehen und so den ewig wiederkehrenden, im Chaos geordneten Samstag in den blicklosen Sonntagmorgen verwandeln.</description>
    <dc:creator>toxea</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://grenzgang.twoday.net/topics/Fein+gesponnen&quot;&gt;Fein gesponnen&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 toxea</dc:rights>
    <dc:date>2006-12-02T11:11:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://grenzgang.twoday.net/stories/2975579/">
    <title>Abendessen mit Hindernissen</title>
    <link>http://grenzgang.twoday.net/stories/2975579/</link>
    <description>Samstag abend, kurz nach sieben. Wir hatten Gäste geladen und die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, es sollte ein unvergesslicher Abend werden, denn wir wollten unsere Gäste mit erstaunlichen Kreationen aus unserer Küche überraschen. Das war der Plan und es sollte uns gelingen. Und wie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stundenlang hatten wir uns der Zubereitung von kleinen Speisen für das Buffet gewidmet, hatten sogenanntes Finger Food und Amuse Geule bereitet, Feinkostsalate und andere Köstlichkeiten hatten wir gezaubert. Nachmittags hatte ich schon das meiste servierfertig dekoriert und aller Platz in der Küche wurde von Platten und Schüsseln beansprucht, die Anrichte bog sich unter der Last der Köstlichkeiten und ein betörender Duft liess einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Da wir aber für die Zubereitung des Sushis noch reichlich Raum brauchten, suchte ich nach einer Möglichkeit, all die Köstlichkeiten kühl zu lagern. Nach kurzem Überlegen entschied ich, dass der Balkon ein gutes Kühlhaus abgäbe und fluggs wanderte alles dorthin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also konnte die Sushi-Produktion starten. Leider hatte ich mich mit dem dafür nötigen Zeitbedarf verkalkuliert, was in direktem Zusammenhang mit der mir fehlenden Meisterschaft in der Zubereitung dieser Speise stand, und leichte Hektik trat auf. Erschwerend kam hinzu, dass mir unsere Katzen nicht mehr von der Seite weichen wollten, da sie den köstlichen Duft rohen Fisches wahrgenommen hatten. Zweimal hatten sie schon versucht, mich  durch gezielte Achter um meine Knöchel zu Fall zu bringen und es war wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis ich oder der Fisch zu Boden fallen würden. Ich rief eindringlich um Hilfe und mein Freund nahm sich der Katzen an, lockte sie mit etwas Fisch aus der Küche und ich konnte ungehindert weiterarbeiten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war erstaunlich erfolgreich, denn ich hörte noch nicht einmal Protestmiauen. Das wunderte mich ein wenig, denn so groß ist die Wohnung nicht, aber ich hatte anderes zu tun. Das gänzliche Fehlen von Katzenförmigen Fellwesen und den dazu gehörenden, eindringlichen Stimmen, die in sich höher schraubenden Kadenzen um Futter zu betteln pflegten, weckte leises Unwohlsein in mir. Ich fragte, was er denn mit den kleinen Quälgeistern getan hatte. Ach, meinte er, das war gar nicht schwer, ich habe sie auf den Balkon gesperrt..... &lt;br /&gt;
Ahnungsvoller Schrecken durchfuhr mich. Von dunklesten Befürchtungen gepeinigt stob ich zum Balkon und tatsächlich. Die Katzen hatten die unfreiwillige Einladung zum fürstlichen Abendessen allzu gerne angenommen und hatten alles probiert. &lt;br /&gt;
Ein Schlachtfeld war dagegen ein beruhigender Anblick. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun musste ganz schnell eine Lösung gefunden werden. Es war kaum noch eine Stunde bis die Gäste eintrafen und mehr als zwei Drittel des Essens waren nicht mehr servierbar. Eine Katastrophe!!! Da konnte nur noch der Feinkosthändler helfen. Also ins Auto gestürmt und in den nächsten Supermarkt mit Feinkostabteilung gefegt. In rekordverdächtigem Tempo sammelte ich ein Assortiment unterschiedlichster Delikatessen ein und sauste mit meinem Wagen zur Kasse. Als die Kassiererin die Summe nannte, suchten mich leichte Schwindelanfälle heim, aber es half ja nichts. Ich zückte also das Plastikgeld... Es tut mir leid sagte die Kassiererin, aber die Karte wird nicht akzeptiert. Haben Sie noch eine andere. Klar, hatte ich. Aber... Nein, tut mir leid, die kann ich nicht nehmen, haben Sie nicht eine xxxxx-Karte?. Nein, hatte ich nicht. Meine Barschaft reichte gerade mal für ein paar Kaugummis... was tun? Ich bat darum, dass man meinen Wagen kurz ins Kühlhaus schob, während ich schnell versuchen würde, Bargeld zu besorgen. &lt;br /&gt;
Auf zur nächsten Bank, aber auch hier wurde die Karte nicht akzeptiert. Also rief ich meinen Freund an. Der sich auch sofort auf den Weg machte, um mit seiner Karte zu Hilfe zu eilen. Sicherheitshalber zogen wir schnell etwas Bargeld und machten uns auf, die wartenden Lebensmittel auszulösen. Als wir am Supermarkt ankamen, traf mich der Schlag. Zu. Wie die Zeit verfliegt, wenn man Spaß hat... Hektisches Klopfen an der Türe, aber niemand wollte uns hören. &lt;br /&gt;
Zu Hause standen wohl schon die Gäste vor der Tür... was tun? Kurz erwog ich die Flucht ins Ausland... &lt;br /&gt;
Dann die rettende Idee... Eine viertel Stunde später waren alle Gäste in festlichen Abendroben erschienen und harrten erwartungsvoll der Eröffnung des Büffets. Ein leichtes Unwohlsein machte sich bei mir breit, aber da mussten wir nun durch. &lt;br /&gt;
Ich werde den dezent fassunglosen Blick unserer Gäste bei der Präsentation unseres Büffets nie vergessen. Wir hatten alle Köstlichkeiten der Welt: Hamburger, Pommes Frites, Cheesburger, Nuggets und alles, was der Fast Food Laden noch so hergegeben hatte. Alles stilvoll arrangiert und dekoriert... ein wahres Elysium für Feinschmecker... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seitdem gelten wir als  leicht exzentrische Gastgeber ... und unsere Einladungen werden nicht mehr ganz so oft angenommen wie früher...</description>
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    <dc:date>2006-11-23T15:37:00Z</dc:date>
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