GedankenSchmerz

2
Mai
2008

Barfuß III

Man stand vor dem Glaskasten, starrte auf das wimmernde Wesen, das an die Schuhe gefesselt schien. Man versuchte, die Schuhe zu befreien, aber das Wesen krümmte sich und krampfte so sehr, dass man sie nicht greifen konnte, stieg man nicht selbst in den Glaskasten. Plötzlich bäumte sich das Wesen auf, schoss in die Höhe, um dann erstarrt und mit geöffneten Augen wieder in den Kasten zurückzusinken. Nun lag es still. Starr und weisshäutig, die Schuhe immer noch umklammert, sah es aus wie eine absurde Alien-Installation.

Man konnte den Blick nicht abwenden. Die Augen des Wesens waren voller Leben, schienen fast zu leuchten, man versenkte sich geradezu in deren Blick und sah. Man sah den nagenden Hunger, der das Wesen von innen auffraß. Ein dreckiger kleiner Kobold, der sich immer wieder in die Innereien verbiss und sich große Stücke mit spitzen Zähnen herausriss. Man sah den Schmerz, der das Wesen überflutete und den Verstand in Verzweiflung badete. Man sah die säuregleichen Tränen, die das Gesicht verätzt hatten. Man sah die Einsamkeit, die sich einer dunklen Glocke gleich übers Denken gestülpt hatte. Man sah all den Schmerz und das verzweifelte Ringen um einen Grund, sich noch einmal dem Schmerz zu stellen. Man sah und verstand. Verstand, dass es keine Erlösung für das Wesen gab. Es war im Schmerz erstarrt und alle Versuche, ihm Linderung zu verschaffen, waren nur dazu geeignet, ihm noch mehr Schmerz zu bereiten. Es gab keine Therapie für diesen Schmerz außer dem Tod.

Also würde man es töten müssen. Man starrte in die weit geöffneten Augen, versuchte zu ergründen, ob das Wesen verstand, dass man ihm helfen wollte. Die Augen verdunkelten sich, nichts war mehr zu erkennen. Man stand auf, schaute sich um und fand den Eimer, den man brauchte. Man lief auf blutigen Füßen durch den dicken Staub in den Vorraum, um dort den Eimer zu füllen. Man würde oft laufen müssen, jeder Schritt ein stechender Schmerz.
Der Staub färbte sich rot, während sich der Glaskasten nur langsam mit Wasser füllte. Man würde stundenlang so hin und herlaufen müssen, unter beissenden Schmerzen, aber man musste dieses Wesen ertränken, sonst bekäme man die Schuhe nie zurück.

27
Apr
2008

Ekel, flach und schal

Langsam, fast unbemerkt war mal wieder das Licht verebbt. Trübes Grau schlabberte sich durch den Geist und fraß die letzen Lichtfetzen. Im Schutz des Dunkels wagten sich die fiesen Gesellen, das alte Trio Infernale und alle, die sich Aasfressern gleich mit abgestorbenen Gedanken und faulenden Erinnerungen nährten, aus ihren Ecken, in denen sie hätten vermodern sollen, bis sie zu Staub zerfielen.

Aber der Eiter der alten Not war ein idealer Nährboden für die Kriecherkulturen, die sich schwammartig in dicken Schimmelpilzen im Hirn verbreiteten. Auf dem dicken Schimmelteppich hört man die Schritte der sich hinterrücks nähernden Peiniger nicht und kaum hatte man sich versehen, hatten sie einen an die alte Sprossenwand gefesselt und verbissen sich in Hirn und Gemüt, dabei ihre mächtigste Waffe absondernd: die Speichelsäure, die aus nichts anderem bestand als aus ätzendem Verdruss. Verdruss, der sich melassegleich an jeden Gedanken klebte, der aber auch wie feinfließendes Kriechöl in jede Ecke des Denkens und Fühlens vordrang. Verdruss, der Bitterkeit verströmte, eine Bitterkeit, die einen glauben ließ, dass jeder Schierlingsbecher dagegen süßer Nektar sei.

So schnell wie der Verdruss sich im Schutz des Schwammes und des Schimmels verbreitete, hatten sich auch die stets in seinen Windschatten reisenden Erinnerungen eingefunden und quälten die müde gewordenen, stumpfen Gedanken mit dem, was ein mal war. All die alten Schmerzen, die keinen anderen Sinn hatten, als die Peiniger im Nachhinein zu Siegern zu erklären. Und während man mit dem Restareal des Verstandes noch begriff, dass genau dies verhindert werden musste, hatte der Verdruss schon alle anderen Gefilde in Hirn und Gemüt durchdrungen, erorbert, verdorben und alles Licht und Atmen einfach unter der klebrigfaulen Masse seiner jämmerlichen Existenz erstickt.

Alles was blieb, war das Bewusstsein, dass man sich von einem Lebenssurrogatextraktderrivat nährte, dass einen so eben gerade am Leben hielt, aber einem nicht ermöglichte nur eine Bewegung zu machen, die nicht zum Pflichtprogramm gehörte. Zur plumpen Existenz verurteilt, an stumpfe Materie gebunden, im Dreck kriechend, ohne Veränderung, immer im Schlamm gefangen, dem Gewesen näher als dem Werdenden. Es wird nie anders sein.

16
Mrz
2008

Angst

Vor einem Jahr. Dieser Moment, in dem alles zu enden schien. Als sich die Bestie Angst des Körpers bemächtigt hatte, nicht nur eine leichte Panik, die einen vergessen ließ, wie man hieß oder wo oben oder unten ist. Nicht einfach Furcht, die den Atem nimmt. Nicht einfach Grauen vor dem, was auf einen wartet.

Statt dessen Angst, die das Herz in gnadenlosem Tempo vorantreibt bis es glüht, so glüht, dass der hechelnde Atem heißer Dampf wird. Angst, die einem den Körper nimmt, bis er als wachsweiße Hülle starr liegenbleibt. Blau angelaufene Finger und Lippen. Äußere Schreckstarre, während im Innern das viel zu heiße Blut sich durch das Hirn wie durch Eis schmilzt. Der brennende Atem der Panik versengt die noch vorhandenen Gedanken, die Feuerfunken gleich durchs Hirn marodieren und alles in Brand stecken, was der glühende Lavastrom der Angst noch nicht davongetragen hat.

Der Körper gehört nun ihr. Eine kalte, tote Hülle, die eben noch schmerzte, aber auch das vergeht. Im Inneren kocht Angst die Seele auf kleiner Flamme bis sie versteht, dass dies nur der Anfang war. Die erste Runde auf einem Trip, dessen Initiator Pan wie einen Schuljungen erscheinen lässt. Ein wilder Ritt in Abgründe, in des es kein Sein mehr gibt. Man kann nichts mehr tun, keine Technik kann einen retten. Man fällt in die Angst, eine schwarze schmatzende Masse, die den kleinen Körper genüßlich zerkaut, die Seele aussaugt und mit spitzen Fingern in den frischen Bisswunden herumstochert. Es gibt nur noch Schmerz. Und Angst. Kein Entrinnnen, man fügt sich und lässt sich von der Angst gegen die Wand werfen, wehrt sich nicht. Fällt, klatscht auf den Boden, rappelt sich wieder auf, stürzt sich ins Feuer oder in die Tiefe. Es ist egal. Man wird zur Marionette der Angst, gibt das Denken auf. Und während man nur noch ein dumpfer, geschundener Körper wird, fliegt ein Gedanke heran. Jetzt kann es nicht schlimmeres mehr geben, als der körperliche Tod. Hirn und Herz sind schon verweste Leichname, dann soll sie auch noch den Körper kriegen.

Dann der Moment, in dem nichts mehr ist. Das Denken hört auf. Kein Gefühl mehr. Kein Wissen. Nur noch dumpfe Existenz, die zuckend am Boden liegt, zu nichts zu gebrauchen. Es fühlt sich an, als verlöre man den Verstand. Man vergeht im Nichts.

Irgendwann kommt man zu sich. Zähneklappernd. Der Körper starr vor Kälte. Die Finger lassen sich kaum bewegen. Ab dem Hals abwärts herrscht Kälte, die bis in die Knochen zieht. Man fühlt nur in Ansätzen und denkt noch weniger. Aber man denkt. Langsam und staksig, als hätte man das Laufen verlernt. Man kann kaum beschreiben, was passiert ist, aber es will ja auch keiner wissen.

Man nimmt eine heiße Dusche, um den Körper wieder ins Leben zurückzuholen. Schließt die Balkontür. Ist so müde, als hätte man drei Wochen am Stück untertage geschuftet und geht zu Bett. Wissend, dass man das nicht noch mal übersteht. Hoffend, dass es nicht noch einmal sein muss. Ahnend, dass es nicht das letzte Mal war.

8
Mrz
2008

Puderfaust

Manchmal möchte man ein ganz anderes Leben führen. Eines in Perl- und Pudertönen, ohne Schwarz, Weiss und Rot. Ein leises Leben durchdrungen von Geborgenheit. Abseits aller Aufregung. Ohne Kampf und Krampf. Ein Hauch von Milde im Gemüt, die Erdenschwere überwindend. Ein kleines Leben im Hier und Jetzt ohne Groll, Gram und Ehrgeiz. Ein Leben, das tänzelnd auf den Fußspitzen balanciert. Zart wie eine Elfe möchte man sein, ein wenig ätherisch, deren Anblick Menschen mit Freude berührt. Puderwarme Elfe tanzt durch die Sonnenscheingetränkte Luft, widmet sich in Harmonie und Hingabe ihren Liebsten und verbreitet Wohlgefühl. Ein Lachen mit Hundert Echos, ein Zartgefühl, das sich wie Tau auf geschlossene Lider legt. Ein zarter Traum aus der Wärme des Wir. Sich in Nähe zugetan sein, ohne Enge zu empfinden. Sehnsucht nur als zartes Verlangen nach Vervollkommnung.

Man schlägt den Katalog vor Entrüstung schnaubend zu, malt sich schwarze Balken ins Gesicht, schlüpft ins Panzerhemd und stürzt sich taumelnd ins brandende laute Leben, berauscht sich am Trubel, verglüht im Kampf, trinkt von der Sehnsucht, die sich säuregleich durchs Bewusstsein ätzt. Alles ist zu wenig. Die Gier nach dem Gefühl treibt einen durch Tag und Nacht. Jede Faser des Seins muss brennen, weil es sonst noch kälter wäre.

29
Feb
2008

Mundtot

Nein, ich spreche Eure Sprache nicht. Ich verstehe sie kaum. Wenn ich versuche, mich Eurer Worte zu bedienen, ist es mir, als müsste ich mit Schwären überdeckte Giftkröten küssen. Ein Kuss, der bitter schmeckt und das Denken mit Unrat infiziert.

Wenn Eure Worte in meine Ohren tropfen, kriecht Ekel Würmern gleich in mein Hirn und lässt die wenigen Gedanken auf ihren Schleimspuren ausrutschen. Haltlos schlingern sie durchs Hirn, verschleimen die Synapsen, die durch die Melasse des Eiters zahm ein SOS funken, das seine Bedeutung verliert, wenn es von nimmersatten Wortraupen verschlungen wird. Aus diesen Raupen werden keine Schmetterlinge, noch nicht mal fette Motten. Sie verharren regressiv im Raupenstadium, Speckmaden gleich, die nur fressen, nicht aber neues entstehen lassen können.

Nein, ich spreche Eure Sprache nicht. Wenn ich mich Eurer Zunge befleißige, was ich mitunter tue, haben die Worte eine Konnotation, die Widerhaken trägt. Widerhaken, die große Stücke aus Gaumen und Zunge reißen und den Wortschwall in Blutbrei verwandeln. Ich würge an den Worten, Sprechdurchfall wäre dagegen das reine Vergnügen. Die Worte zerinnen auf meiner Zunge, lassen mich Bedeutung sabbern, die keine ist. Wenigstens keine, die sich mir erschlösse.

Ich will diese Worte nicht, will mich ihnen verweigern. Aber sie sind allgegenwärtig, drängen sich schamlos auf und sind erst zufrieden, wenn sie auch den letzten Gedanken im Gespinst aus Worthülsen gefangen haben. Eitelkeit, die fette Spinne, hat sich ein giftiges Netz gesponnen, in dem sie alle fängt. Die Wortleichen sind Nahrung für die Spinnenkinder, die zu Tausenden das Gemüt entern und einen Teppich krabbelnder Kadaver bilden, in dem es kein Überleben anders Lautender gibt.

Nein, ich spreche Eure Sprache nicht. Im Schweigen zu ersticken ist keine Alternative.

22
Feb
2008

Dünnhäutig

Papierhaut knistert, spannt sich viel zu sehr, um nicht zu reissen. Gedankenlose Worte prasseln hernieder, fressen sich ätzend den Weg ins Herz und vergiften das Gemüt. Gereiztheit zieht durchs Hirn, eine knurrende Töle greift alles und jeden an, ohne viel mehr auszurichten, als ein leises, aber unüberfühlbares Unbehagen.

Papierhaut wird dünner, alles schreibt sich auf ihr nieder. Viel zu viele Worte, die keiner lesen will. Viel zu wenig milde Worte, zu wenig positive Geräusche, die besser tragen als Menetekel-gleich eingeätzte Worte, die den Körper brandmarken. Striemen, die man übersieht. Man gewöhnt sich an so vieles.

Papierhaut knittert, zerfällt zu mürben Staubsplittern. Papierhaut wandelt sich zu Sandpapier im Inneren. Weiche Schale, rauher Kern, an dem sich das Gemüt aufreibt. Reizend. Balsam fehlt.

9
Feb
2008

Kopfweh

Gedanken auf der Reise in unbestimmte Gefilde, ohne Ziel, ohne Absicht. Alles auf sich zukommen lassen, ohne etwas vorwegzunehmen. In den Strom der Gedanken eintauchen, sich treiben lassen, in Bildern baden. Und schon das erste Bild zerschellt am schrillen Alltag, zerspringt in Hundert Splitter, die sich spitz ins Denken bohren.

4
Feb
2008

Wutwucht

Als man vorsichtig die Hirnschale öffnete, quoll einem die stinkendschwelende Glut der Wut entgegen. Man sah sich die brodelnde Masse an und wusste, was geschehen war. Das Hirn hatte sich in einer Art zuckendem Veitstanz heiss gelaufen und statt das geschundene Hirn durch ein Bad in kühlendem Verstand zu erfrischen, hatte man es nicht nur in die Sauna geschickt, sondern es auch noch auf ein Rost glühender Kohlen gelegt, wodurch es sich im Fieberwahn der Wahnsinnstarantella ergab und sich in wirbelndem Tanz die ersten Blasen lief.

Aber auch das hatte man ignoriert und hatte eilfertig allerlei spitze Gedanken gezüchtet, die gnadenlos, aber zielgerichtet die Blasen öffneten, um den kochenden, sauren Hirnbrei weitflächig über die noch nicht befallenen Areale sich verströmen liess. Die breiige Masse hatte sich säuregleich zu den hintersten Ecken durchgefressen und brachte als erstes den noch müde zuckenden Verstand zum Erstarren. Mit einem müden Schulterzucken legte er sich in einen Stupor-ähnlichen Schlaf und die wild brodelnde Masse nahm dies als Signal, sich des gesamten Gemüts zu bemächtigen.

Weil man aber noch lange nicht genug angerichtet hatte, rief man den Irrsinn herbei, der als zwangsgesteuerter Brandstifter sogleich nicht nur mit leicht brennbaren Flüssigkeiten um sich spritze, sondern auch noch mit dem Flammenwerfer bewaffnet, Jagd auf jeden halbwegs rationalen Gedanken machte. Sobald einer diesen kleinen Gedanken gestellt worden war, drangsalierte der Irrsinn den Gefangenen und meuchelte ihn mit der Wucht eines fiebernden Amokläufers. Die kleinen, verdorrten Gedankenleichen wurden der Verwesung überlassen, da der Irrsinm wusste, dass die Produkte des langsamen Verfalles neue Nahrung für Wutschwären darstellten. Der Irrsinn fühlte sich so richtig in seinem Element, gebot ihm doch niemand mehr Einhalt.

Er zündelte, brandschatzte und folterte, wo immer er nur ein halbwegs wehrloses Opfer fand. Es gab kein Halten mehr und unter der Last der brodelnden Wut, der sich zerstetzenden Gedanken, der aus fehlinterpretierten Sätzen entstehenden Säure brach das Gedankengebäude in sich zusammen, den letzten Rest der Ratio unter sich begrabend. Da lag sie nun, die auf ein Minimum zusammengestauchte Vernunft und fragte sich, ob es sich noch lohnte, sich den Weg ins Freie zu erkämpfen oder ob sie doch besser gleich zum Feind überlief.
Aber sie war eben doch ein zähes Biest und brachte mit ersterbendem Atem und letzter Kraft die Alarmglocken in Gang. Die in einem recht harten Kampf und aufs äusserte angespannt sich zum letzten Fanal aufschwangen. Erst nur ein leises Klingeln, dann ein mächtiges Läuten, dass den Verstand aus der Katatonie holte. Langsam nur, aber dann doch mit zunehmender Macht schrillten sie durch das fast schon gewesene Hirn und mobilisierten die letzten vernünftigen Gefühle, die löschend über das überhitzte Hirn herniederregneten.

Nach stundenlangem Regen wurde der schwelende Misthaufen langsam zum zähen Brei, der zwar keinen Gedanken zuliess, aber doch einen nahrhaften Morrast bereitete. Der Verstand verteilte die Saat der heilenden Gedanken auf diesem Sumpf, die sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit zu Keimlingen ausbildeten. Keimlinge, die zarte Wurzeln bildeten und so nach und nach den üblen Sumpf überwucherten und die ersten Blüten der Phantasie trieben. Mit diesem Pfund sollte man nun wuchern, denn nur sie war in der Lage, den erwürgten Wahnsinn in ein tragendes Geflecht zärtlicher Lebensfreude zu verwandeln. Ein Netzwerk, dass den müden Verstand und die vernachlässigten Träume ins Freie hob. Aus diesem Fundus könnte man schöpfen und mit ihm die tragenden Gefühle nähren, aber der Weg des Feuers war einem so viel vertrauter...

18
Sep
2007

Schmerz

Eine wahnsinnige rotglühende und kaltrauchende Schmerzwelle bahnt sich ihren Weg durchs Gehirn und löscht jeden positiven Gedanken, in dem sie ihn in Schmerz badet bis er das Bewusstsein verliert. Der Schmerz ist ein hungriges Tier, das sich durch die Hirnwindungen frisst, das Myelin von allen Nerven knabbert, so dass sie bloß und ungeschützt jedem leisen Reiz ausgesetzt sind. Der Schmerz hat einen sadistischen Verbündeten, der einem den letzten Widerstand unmöglich macht, indem der die zuckenden Nervenenden mit Salzsäure beträufelt. Fast außer sich vor Schmerz senden die Nervenende ihr verzweifeltes SOS und das Gehirn bricht bald unter der Last der sich ständig kreuzenden und im Nichts verhallenden Hilferufe zusammen. Der Schmerz bemächtigt sich aller Gedanken, nur das Sprachzentrum kämpft einen letzten verzweifelten Kampf gegen die drohende Welle, in der es auch bald versinken wird. Dann ist da kein Denken mehr, nur noch Schmerz, der einen heulen und zucken läßt und für dessen Innehalten man alles geben würde. Das schlimmste ist noch nicht mal der Schmerz selbst, sondern diese gnadenlose Unentrinnbarkeit.

14
Jul
2007

Dunkelkammer

Zögernd stand man vor der Tür, die mal wieder einen winzigen Spalt offen war, aus dem Dunkelheit wie flüssiges Pech leckte. Die Tür war schwer, mit Eisen und Leder beschlagen, übergroß und strahlte unfreundliche Abweisung aus. Freiwillig wollte niemand hinundurchgehen, aber gelegentlich versuchte man es doch. Mit leicht zitternden Knie, einem unangenehmen Säuseln in den Eingeweiden streckte man vorsichtig die Hand aus, um die Tür zu bewegen. Die Bewegung so verhalten und ängstlich als fürchtete man in kochendes Wasser zu greifen.
Sehr langsam schob man die Tür auf, die Augen fest auf den Boden gerichtet. Wie immer war es stockduster und noch das Licht des Lebens ím Blick hatte man Mühe, wenigstens Konturen zu erkennen. Ein zaghafter Schritt und man stand mit einem Fuß im Schlamm. Noch könnte man umdrehen, redete man sich ein, aber die Entscheidung war längst gefallen. Man gab sich einen Ruck, schloß die Augen und ging durch die Tür.

Kaum eingetreten, hatte man schon eine Gänsehaut. Kälte und Angst waren kaum zu unterscheiden, beides ließ einen zittern. Der Boden war schlammbedeckt, die Wände schienen mit faulem Moos bewuchert, jeder Ton wurde absorbiert und kein einziges Geräusch überlebte mehr als den Bruchteil einer Sekunde. Der Raum war riesig oder man selbst sehr klein, eine Ameise im Rittersaal einer unfreundlichen Burg. Nun an die Dunkelheit gewöhnt und so weit vom Leben entfernt, konnte man sich im Raum bewegen, der immer gleich war. Nichts veränderte sich hier, absolut nichts. Im Schlamm standen einige sarggroße Tupperdosen mit den patenten Deckeln, die alles luftdicht abschlossen und die sich nun von Gedanken bewegt öffneten. READ MORE
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