Habseligkeiten

26
Aug
2007

Der Kandelaber

Damals, als mein Gemüt noch ein wenig dunkler war, als mein Nick noch Asmodina lautete und ich noch daran dachte, mir einen Sarg ins Wohnzimmer zu stellen, damals habe ich meine Umgebung ein wenig "gruftig" gestaltet. Ach, was waren das düster-verzweifelte Zeiten, in denen Danzig, Anne Clark, Invokationsmusik und Diamanda Galas (Vorsicht, ist ein wenig disharmonisch) den musikalischen Background lieferten, und meine Lektüre von Huysmans, Dvorak, Eliphas Levi und anderen Okkultisten bestimmt wurde. Nichts konnte mir damals düster und verstörend genug sein. Ich schminkte mein Gesicht fast weiß, züchtete superlange Fingernägel, schmückte mich mit Totenköpfen und genoß es, wenn ich den einen oder anderen mit meinem Aussehen dezent beunruhigte.
Zur Zierde meines Wohnzimmers schuf ich in für mich völlig untypischer Geduld und Beharlichkeit einen Kandelaber, der jedem Satanisten zur Ehre gereicht hätte. In stundenlangen Sitzungen kürzte ich fast minütlich die Dochte, um das Wachs zum tropfen zu zwingen. Ich schmolz parallel schwarzes Wachs und ließ die Flammen dieses verzehren. Mein Tisch wurde zusehends von schwarzem Wachs bedeckt und ich habe mir mehr als einmal die Fingernägel verbrannt (merke: Nagellack brennt ausgesprochen gut und brennende Nägel stinken... ). Ich kann nicht sagen, wie viele Stunden ich so zugebracht habe, die Pyromanin in mir hatte damals wahrlich viel Gelegenheit, sich auszuleben.

Dann kam Gothic auf, damit konnte ich nicht so recht etwas anfangen und nach und nach erlosch mein Interesse, ich wandte mich dem Industrial zu. Heute gibt es keine Gruftis mehr und auch ich habe mich geradezu zur Frohnatur entwickelt. Die alten CDs habe ich noch und auch den Kandelaber, der altersmäßig mittlerweile volljährig ist und erstaunlicherweiser eine ganze Reihe von Umzügen überlebt hat. Irgendwann werde ich mich vielleicht auch von ihm trennen, aber bisher ist er mir noch eine liebgewonnene Erinnerung an finstere Zeiten, die ich überstanden habe.

null

14
Aug
2007

Habseligkeiten: Die Puderdose

Als kleines Mädchen faszinierte mich die Puderdose meiner Urgroßmutter. Das Wiederbefüllen der Dose war eine echte Herausforderung, da der Puderstein ein ausgesprochen fragiles Geschöpf darstellte, das gerne schon unter leichter Berührung zerbrach. Eine Puderdose gehörte nach Meinung meiner Urgroßmutter zur Grundausstattung einer Damenhandtasche - neben Taschenzerstäuber für Parfum, Brauenbürste, Lippenstift, Taschentüchern, Nähzeug und Ersatzstrümpfen. Eine Meinung, die ich nicht nur übernommen, sondern noch ein wenig erweitert habe.

Später habe ich mich auf die Suche nach einer Puderdose gemacht, aber nachfüllbare Dosen für losen Puder sind kein Trendartikel und kaum zu finden, nur im Antiquitätenhandel lassen sich gelegentlich einzelne, meist teure Stücke aufspüren. Die meisten im Handel angebotenen Puderdosen sind für Kompaktpuder, das für mich einfach nicht in Frage kommt.

Als ich vor 10 Jahren meinen damaligen Job verlassen habe, wurde ich nach Geschenkideen für Abschiedsgeschenke gefragt und antwortete spontan: Füllerfederhalter oder Puderdose.

Ich bekam beides. Von den Kollegen den Füller und von der Vorgesetzten eine Puderdose, die sie vor Jahren in London gekauft hatte, aber selbst nie benutzt hatte. Eigentlich passt die Dose überhaupt nicht zu mir, ich mag keine verzierten, verspielten Dinge. Form follows Function ist mir näher als jedes Dekor. Die Dose hätte mir als Kind aber wohl sehr gefallen und so habe ich sie doch in die Sammlung der Lieblingsstücke aufgenommen. Sie begleitet mich seit dem ständig, ist mit mir um die halbe Welt gereist und hat mir immer wieder das Gefühl altmodischen Luxus´ im Alltag gegeben. Ein Geschenk, das mich hoffentlich noch lange begleiten wird.

powder pola

4
Aug
2007

Dinge des Alltags: Die "Hundetasse"

Man soll sein Herz ja nicht an Dinge hängen, aber mitunter sind es die kleinen Dinge des Alltags, die fast unbemerkt das Denken streicheln. Die Kaffeetasse mit dem albernenen Hundebild, die im Urlaub gekauft wurde, weil es in der Ferienwohnung keine vernünftigen Tassen gab. Die dann schnell zur Lieblingstasse wurde, weil die klare Form und die Qualität des Porzellans überzeugten. Die Spülmaschine leistet gute Dienst durch sukzessives Bleichen des Dekors. Wenn immer möglich, trinke ich den Café au lait aus dieser Tasse, die den Geschmack von Urlaub verleiht und beim ersten Schluck das Bild des Meeres evoziert. Mit der "Hundetasse" beginnt der Tag beginnt einfach ein wenig heller und wärmer.
becher31
logo

GrenzGang

Fiktion und Wirklichkeit

Zuletzt passiert....

Hah, da habe ich...
miss_kinky - Di Jul 1, 08:54
Toxea im Aussteigertraum?...
AiHua - Mo Jun 30, 22:46
Und nun?
toxea - Mo Jun 30, 22:37
ABSTIMMEN!
toxea - So Jun 29, 10:35
och,
toxea - Do Jun 26, 22:22
Das hört sich...
k-fee - Do Jun 26, 10:56
alles geht vorbei,...
To01 - Do Jun 26, 10:32

Anybody out there?

website stats

Add to Technorati Favorites Deutsches Blog Verzeichnis bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis Blogverzeichnis Fiction Blogs - BlogCatalog Blog Directory

Woanders gerade passiert:

Leben ist...
sjAlfur - Do Jul 3, 17:50
juni 2008
mainzelmaedchen - Do Jul 3, 12:34
Geschafft! ... oder:...
erphschwester - Do Jul 3, 06:19
Einführung
AiHua - Do Jul 3, 02:54
Erkenntnis
erphschwester - Mi Jul 2, 23:29
Hojotoho !!
mehrLicht - Mi Jul 2, 21:15
Abstraktes im Keller
mehrLicht - Mi Jul 2, 21:12
kurios
mainzelmaedchen - Mi Jul 2, 16:17
aufundab
mainzelmaedchen - Mi Jul 2, 15:27

Blick aus dem Fenster
Der Job
Die Gespielin
Fein gesponnen
GedankenSchmerz
Habseligkeiten
KultVerdacht
Leben und so
LebensWut
SchreibWerkStatt
Spielkinds Fundstück
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren