Zugegebenermaßen ist dieser Satz recht nah an der Plattitüde, nichtsdestotrotz dient er mir mitunter als Selbstanfeuerung und Bestärkung, wenn ich mal wieder vor allem mit inneren Widerständen zu kämpfen habe.
Als ich heute morgen zum Zahnarzt fuhr, ging mir der Satz durch den Kopf, da mir bewusst wurde, dass ich vor genau 5 (in Worten fünf) Jahren die Führerscheinprüfung bestanden habe. Sogar im ersten Anlauf. Ja, an sich nichts besonderes. Aber für mich doch keine ganz unerhebliche Angelegenheit. Als ich mich bei der Fahrschule anmeldete, sah ich direkt die Euro-Zeichen in den Augen des Fahrlehrers, bekanntlich brauchen Menschen jenseits der 30 viel mehr Stunden als jüngere, was er wohl schon im Kopf überschlug und mir dann versicherte, dass in seiner Fahrschule auch schon ältere den Führerschein gemacht haben. Als ich bei der ersten Theoriestunde auftauchte (und damit den Altersdurchschnitt sicherlich um einige Jährchen hochschnellen ließ), wies der Kursleiter mich darauf hin, dass die Nachschulung im Nebenraum stattfinde. Als ich ihm versicherte, dass ich daran nicht teilnehmen wolle, vermutete er, dass ich wohl den Motoradführerschein machen wolle. Wieder musste ich verneinen und unter den staunenden Blicken der teils sehr jugendlichen Teilnehmer (es waren auch einige unter 18 dabei, die den Mofa-Führerschein machen wollten) bekannte ich, dass ich bisher zur Kategorie der Fußgänger und Bahnfahrer gehörte. Und wieder sah ich die Euro-Zeichen in der Pupille auftauchen....
Die erste praktische Fahrstunde war kurz. Sehr kurz. Und gefahren bin ich keinen Meter. Kaum saß ich auf dem Fahrersitz bemächtigte sich panische Angst meines Gemütes und schleuderte meinen kleinen Verstand immer wieder in den finsteren Orkus irrationaler Angstvisionen. In der nächsten Stunde bin ich dann immerhin schon gefahren, aber nach etwa 20 Minuten mussten wir abbrechen, weil ich aus dem Zittern nicht herauskam. So habe ich mich anfangs minutenweise vorgekämpft und habe dreimal die Woche morgens um 7.00 Fahren geübt. Und geübt. Und geübt. Erstaunlicherweise habe ich es irgendwie geschafft, innerhalb von zweieinhalb Monaten die Prüfungsreife zu erreichen und so wurde ich dann zur Prüfung bestellt. An diesem Tag war nicht nur mein zweiter, sondern auch mein erster (und alle weiteren) Vorname ANGST, große Angst. Irgendwie habe ich es geschafft, der Prüfer händigte mir zu meinem maßlosen Erstaunen den Führerschein aus und ich fühlte mich, als sei hätte ich drei Tage im Bergwerk geschufftet.
Die Angst vorm und beim Fahren hat sich im Laufe der Zeit gelegt, wenn sie auch immer mal wieder auftritt und mitfahren will. Im allgemeinen bekomme ich das in den Griff, nur gelegentlich weiss ich, dass ich nicht fahren kann, da ich nicht wirklich am Steuer säße.
Naja, keine große Sache, aber für mich eben doch ein kleiner Sieg. Dass ich heute morgen sogar freiwillig und nur zur Prophylaxe zum Zahnarzt gefahren bin, ist ein anderer kleiner Sieg, nachdem ich jahrzehntelang der Dentalphobie das Feld überlassen hatte und mich auch die sprichwörtlichen zehn wilden Pferde nicht zum Zahnarzt gebracht haben, obwohl ich zeitweise übleste Schmerzen hatte.... aber das ist eine andere Geschichte.
Im großen und ganzen lasse ich mich viel zu sehr von der Angst ins Bockshorn jagen, aber gelegentlich schlage ich auch mal zurück. ;-)